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Zeitreise

Heute vor 90 Jahren: Der Tod des Zuckerwarenfabrikanten Heller

Auch die sogenannten Wiener Zuckerln - länglich geformte Fruchtkaramellen - zählten zu Wilhelm Hellers
schmackhaften Erfindungen.

Neue Freie Presse am 19. September 1931

Mit dem dieser Tage nach langem Leiden im 72. Lebensjahr verstorbenen Zuckerwarenfabrikanten Wilhelm Heller ist eine der markantesten Persönlichkeiten der öffentlichen Zuckerwarenindustrie aus dem Leben geschieden. Gemeinsam mit seinem Bruder Gustav hatte Wilhelm Heller, der aus kleinen Verhältnissen stammte, vor vierzig Jahren in einem Kellerlokal in der Beatrixgasse sein Zuckerwarengeschäft begründet.

Er hatte sich als Zuckerbäckerlehrling die nötigen Fachkenntnisse erworben und während seiner Tätigkeit in Schweizer Fabriken ausländische Bonbonspezialitäten kennen gelernt.Er machte die Wiener mit den aus der Schweiz importierten Seidenzuckerln bekannt, die sich bald allgemeiner Beliebtheit erfreuten. Die heimische Bonbonindustrie verdankte ihm eine Reihe schnell populär gewordener Neuheiten. So sind beispielsweise auch die sogenannten Wiener Zuckerln - länglich geformte Fruchtkaramellen, die in Oesterreich und auch im Auslande massenhaften Absatz fanden - Wilhelm Hellers Erfindung. Unermüdlich in seiner rastlosen Arbeitskraft, hat er gemeinsam mit seinem Bruder sein Unternehmen im Laufe der Jahre durch immer neue Fabrikationszweige ausgestaltet.

Unerschöpflich war er in der Kombination neuer und schmackhafter Dessertbonbons, Karamellen und Jams.Um den Verstorbenen, der sich wegen seiner Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft in der Wiener Gesellschaft besonderer Beliebtheit erfreute, trauern eine Witwe und vier Söhne. Ein fünfter Sohn hat, wie erinnerlich, durch ein Touristenunglück einen tragischen Tod gefunden.

Neue Freie Presse am 18. September 1921

Als der Wiener, ein Herr in mittlerein Jahren, dessen Hauptbeschäftigung darin bestand, die früheren Zeiten mit der jetzigen bitter zu vergleichen, von seiner Sommerreise zurückkam, erwartete ihn eine schwere Enttäuschung: Er fand Wien verändert, und zwar zu seinem Vorteil. Das war um so peinlicher, als er in der ganzen Zeit seines Landaufenthaltes in in- und ausländischen Zeitungen unaufhörlich gelesen hatte, daß Wien zugrunde gehen müsse, daß es verloren sei, daß es sich auf einer schiefen Ebene oder, wie der Wiener sagte: "auf der Rutschen" befinde und rettungslos dem Abgrund entgegenfahre. Uebrigens ging es bereits seit sieben Jahren zugrunde, und der Wiener, skeptisch sogar gegen seinen Skeptizismus, hatte, während er in Imst spazieren ging, kein rechtes Vertrauen in diese Sache, wenigstens nicht, was eine unmittelbare Auflösung betraf. Immerhin hatte er sich auf einen weiteren Verfall gefaßt gemacht: Nicht gerade darauf, daß auf der Ringstraße vor dem Parlament Schafe werden würden, wie Leute von schwarzgelber Phantasie im Jahre 1918 voraus verkündet hatten, aber doch auf eine langsam zunehmende Verkommenheit der ehemaligen Millionen- und k.k. Residenzstädte.