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Porträt

„Oft wird Innovationstheater gespielt“

„Innovationsprozesse sind immer mit Risiko behaftet“, sagt Thomas Gabriel, Managing Partner bei Pioneers.(c) Sebastian Kreuzberger
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„Unternehmen sind auf Erfolge ihrer Innovationsaktivitäten angewiesen“, sagt der neue Pioneers-Miteigentümer Thomas Gabriel, der in dieser Hinsicht viel Beratungsbedarf ortet.

Unternehmen geraten zunehmend unter Druck. „Sie sind auf Erfolge ihrer Innovationsaktivitäten angewiesen“, sagt Thomas Gabriel, Strategieberater mit 25-jähriger Erfahrung, der kürzlich von EY-Parthenon zu Pioneers als Managing Partner wechselte. „Doch oft wird Innovationstheater gespielt.“ Etwa weil intensive praxisorientierte Begleitung von Führungskräften und Mitarbeitenden fehle.

Innovationsberatung bedeute, Zukunfts- und Innovationsfelder auszumachen, von Anfang an den Blick auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu haben und sich damit auseinanderzusetzen, was mit den vorhandenen Ressourcen überhaupt möglich ist. Alignment am Kunden, also Ausrichtung am Kunden, nennt der 52-Jährige das. Beratung bedeute neben inhaltlicher und organisatorischer Arbeit auch, die Skills und das Mindset der handelnden Personen im Blick zu haben, sagt Gabriel. Nur so sei Veränderung möglich und Erfolg das, was daraus entstehe.

„Man muss viel zulassen“

Voraussetzung für Innovation (in etablierten) Unternehmen sei immer: „Man muss viel zulassen, die Menschen Gedanken spinnen lassen, scheitern einkalkulieren – vieles, was in der Regelorganisation nicht möglich ist.“ Das Topmanagement ist es, das entscheidet, ob neue Methoden zugelassen werden, sagt Gabriel. Zudem stehe eines fest: „Innovationsprozesse sind immer mit Risiko behaftet“, sagt er. Vielleicht auch sein Wechsel zu Pioneers im Sommer, doch der beschere ihm „eine Einheit, in der ich meinen Unternehmergeist befriedigen kann – auch wenn jetzt jede Entscheidung 100 Prozent finanziell spürbar ist“, sagt Gabriel, der als Managing Partner unter anderem mit Werner H. Hoffmann die Contrast Managing-Consulting zu einer großen Organisation aufgebaut und sich 2016 der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY-Parthenon angeschlossen hat.

Gabriel hat rund 40 Prozent der Anteile an Pioneers übernommen und führt das Unternehmen als Managing Partner gemeinsam mit Miteigentümer Anton Schilling. Rund ein Viertel der Anteile hält die bisherige Alleineigentümerin Start-up 300 AG.

Gabriel strebt jetzt eine „Repositionierung als End-to-End-Innovationsberatung“ an, in der ein „Innovation to Value“-Ansatz verfolgt werde. Das heißt: Kerngeschäft optimieren und erweitern und neue Geschäftsmodelle entwickeln durch eine Innovationsstrategie, den Aufbau erforderlicher Rahmenbedingungen und die Umsetzung von Innovationsprojekten. Den Umsatz, setzt sich Gabriel selbst als Ziel, möchte er in den kommenden zehn Jahren vervier- bis verfünffachen.

„Talent ist genug da“

Dafür brauche sein Unternehmen Persönlichkeiten, die sozial intelligent sind, mit Hausverstand handeln, „Dinge challengen“ und technische oder betriebswirtschaftliche Expertise mitbringen. Er sieht einen Mangel an IT-Leuten und solchen, die sich mit künstlicher Intelligenz, Datenanalyse- und -nutzung und Sensorik auskennen. „Da braucht es Erwachsenenbildungsprogramme, Talent ist genug da.“

Die einzelnen Branchen erlebt Gabriel im Umgang mit Innovation sehr unterschiedlich: Speziell erwähnt er „das Bauökosystem, das professionalisiert sich gerade“. Und damit gelte auch in diesem Bereich in weiterer Konsequenz die alte Weisheit, dass Forschung aus Geld Ideen, Innovation aus Ideen Geld mache.

Und Geld sei im Moment viel vorhanden: Investoren scheuten sich zunehmend, in Immobilien zu investieren und gingen daher ins Risiko. Anders gesagt: Sie investieren in Innovation und vielversprechende Start-ups.

Zur Person

Thomas Gabriel (52) ist seit Sommer Managing Partner bei der Innovationsberatung Pioneers, die versucht, Brücken zwischen Start-ups, Unternehmen und Investoren zu schlagen. 21 Jahre war er für die Contrast Management-Beratung tätig, ehe sich das Unternehmen 2016 EY-Parthenon anschloss.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11. September 2021)