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Bildschirme

Deutsche Ärzte: Augenschäden durch Blaulicht "nicht zu befürchten"

APA/AFP/JUNG YEON-JE
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Deutsche Augenärzte geben Entwarnung, das Blaulicht in Bildschirmen ist offenbar doch nicht schädlich, die Funktion zur Reduktion des Blaulichts in Smartphonebildschirmen sogar überflüssig.

Generell eilt dem Blaulicht in Bildschirmen, wie am PC oder am Smartphone, nicht der beste Ruf voraus. Seitdem boomen Blaulichtfilterbrillen. Erst kürzlich präsentierte der Brillenfachhändler Pearle mit einer eigenen Gamer-Brille und Smartphone-Hersteller haben längst eine Funktion integriert, die das Blaulicht auf den Bildschirmen reduziert. Alles eigentlich gar nicht notwendig, wie jetzt eine aktuelle Studie beweisen soll. Verschiedene beworbene Schutzmaßnahmen seien deshalb gar nicht sinnvoll, wie Vertreter der Deutschen Opthalmologischen Gesellschaft (DOG) erklären. 

Blaues Licht gehört zum sichtbaren Teil des elektromagnetischen Spektrums und zeichnet sich durch Energiereichtum aus. "Dennoch ist die Lichtstärke bei der Nutzung elektronischer Geräte viel zu gering, um Netzhautschäden an den Augen hervorzurufen", wurde Ophthalmologe Michael Bach vom Universitätsklinikum Freiburg in einer Aussendung der DOG zitiert.

Das kann offenbar in einem einfachen Vergleich belegt werden. Die natürliche Beleuchtungsstärke im Freien bei bedecktem Winterhimmel beträgt in Ländern wie Deutschland oder Österreich etwa 5000 Lux, an einem Sonnentag bis zu 100.000 Lux. Ein Computer-Bildschirm, sehr hell eingestellt, bleibt in 50 Zentimeter Abstand jedoch unter 500 Lux.

"Auch wenn Kinder durch Corona-bedingten Fernunterricht stundenlang vor Bildschirmen sitzen, sind zumindest Blaulicht-Augenschäden dadurch nicht zu befürchten", stellte der Wissenschaftler fest. Weitere Erkenntnis zu vermeintlichen Beeinträchtigungen: Kontaktlinsen, die Blaulicht blockieren, schützen einer aktuellen Studie zufolge nicht besser vor Ermüdung der Augen bei der Bildschirmarbeit als Standardkontaktlinsen.

Entwarnung gab DOG-Experte Bach auch in Bezug auf mögliche Schlafstörungen, die das Blaulicht durch abendliches Lesen an elektronischen Geräten verursachen könnte. Diese Annahme ist inzwischen durch eine Studie mit 167 Probanden widerlegt, die erst vor einigen Monaten erschienen ist. Forscher hatten die Wirkung der "Night Shift"-Einstellung am iPhone untersucht - die Funktion dimmt bei Apple-Geräten den Blauanteil vom Displaylicht, um die behauptete Wirkung auf den Schlaf zu reduzieren.

„Maximale Helligkeit vermeiden“ 

"Es gab keinen Unterschied in Bezug auf die Schlafqualität zwischen der Gruppe, welche die Night Shift-Einstellung aktiviert hatte, und der Gruppe, die keine Night Shift-Funktion aktiviert hatte, oder der Gruppe derer, die gar kein iPhone benutzt hatten", berichtete Bach über die Studie. Trotzdem gibt es laut dem Experten einen Tipp: "Wer vor dem Einschlafen auf einem elektronischen Gerät lesen möchte, sollte eine maximale Helligkeit vermeiden - diese Empfehlung klingt trivial, ist aber richtig. Laut der Fachgesellschaft der deutschen Augenärzte sollten Konsumenten gerade im buchstäblichen Licht dieser Erkenntnisse nicht auf irreführende Bewerbung diverser Blaulicht-Schutzmaßnahmen hereinfallen, wie DOG-Präsident Hagen Thieme erklärte.

Das widerspricht den Einschätzungen von Gregor Radinger, Leiter des Lichtlabors der Donau-Universität Krems. Demzufolge unsere innere Uhr durch das blaue Licht sehr wohl beeinträchtigt wird. „Blaues Licht ist der Signalgeber, um wachsam zu sein. Die Wissenschaft spricht hier von 'alertness of mind'“, so Radinger, „von einer aufmerksamkeitsfördernden und geistigen Beweglichkeit unter der Voraussetzung von Melatoninunterdrückung."

 

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(APA/bagre)