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Leitartikel

Lernen von Graz: Kümmerismus, nicht Kommunismus ist gefragt

Archivbild von Elke Kahr aus dem Wahlkampf.
Archivbild von Elke Kahr aus dem Wahlkampf.APA/ERWIN SCHERIAU
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Die Wahlen gewinnt, wer Bürgern vermitteln kann, dass man ihre Anliegen ernst nimmt. Eine Erkenntnis, die auch Parteien abseits der KPÖ dienlich wäre.

Fast 29 Prozent erreichte die KPÖ in Graz. Nun könnte man witzeln, alles unter 100 Prozent ist für eine kommunistische Partei eine Enttäuschung. Aber es ist natürlich ein sensationeller Erfolg, den Elke Kahr und ihre Mitstreiter in der Landeshauptstadt einfuhren. Dass Parteien abseits des sogenannten Mainstreams Erfolge feiern können, sieht man auch am Einzug der Impfskeptikerliste MFG in den oberösterreichischen Landtag. Aber sind das nur lokale Phänomene? Oder kann man daraus nicht auch für die Bundespolitik einiges ableiten?

Graz ist eine recht unproletarische Stadt. Dass ihre Einwohner so häufig KPÖ wählen, hat nichts damit zu tun, dass man sich nach einem Kernöl-Lenin sehnt. Es ist vielmehr der Wunsch nach einer Politik, die nah an den Bürgern ist. Die KPÖ vermittelt dies glaubwürdig, seit ihr früherer Vorsitzender Ernest Kaltenegger schon vor Jahrzehnten Personen mit Wohnungsproblemen unverzüglich half. Seine Nachfolgerin Elke Kahr verkörpert diese Hilfe hautnah in ihren Bürgersprechstunden. Dazu kam, dass die ÖVP ihre Wählerschaft kaum mobilisieren konnte. Nicht wenige Grazer waren der Meinung, dass ihnen die Bauten der Stadt über den Kopf wachsen, aber Einwände zu wenig gehört werden.