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Quergeschrieben

Werner Lazarus Kogler Auferstehung II

Werner Kogler vergangenes Wochenende beim Parteitag der Wiener Grünen.
Werner Kogler vergangenes Wochenende beim Parteitag der Wiener Grünen.imago images/SEPA.Media
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Der Grünen-Chef will von einer „genialen taktischen Meisterleistung“ zur Rettung der Regierung nichts hören. Dennoch war sie das, und er ist ein anderer als zuvor.

„Genug der Psycho-Deutung“, befand Vizekanzler Werner Kogler in einem seiner zahlreichen TV-Auftritte. Er meinte damit die Erforschung des Seelenzustands des Koalitionspartners ÖVP. Mag sein. Was seine Person betrifft, ist es noch nicht so weit.

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Zu auffällig war in der vergangenen Woche seine Wandlung vom Master of Schwurbel, der unklaren Sätze also, zum Meister des Klartexts. Nicht bei jeder Gelegenheit (davon später), doch so auffällig, dass man Zeuge der zweiten Wiederauferstehung des Chefs der Grünen werden konnte. Die erste legte er auf dem direkten Weg von der außerparlamentarischen Opposition 2017 zur Regierungsbeteiligung hin. Und nun also die zweite.
In den vergangenen zwei Jahren fragten sich viele, was mit Kogler im Amt des Vizekanzlers passiert sei? Wie aus dem energiegeladenen Schnellredner und präzisen Erklärer komplizierter Sachthemen ein Vizekanzler im Habitus eines Adlatus werden konnte. Selten kam er bei seinen Beiträgen irgendwann zum Punkt, oft erschloss sich dem Zuhörer der Sinn überhaupt nicht. Die Öffentlichkeit erkannte Kogler nicht wieder.

Und dann vergangene Woche die überraschende Wandlung: Zuerst im Ö1-„Mittagsjournal“ am Samstag, dann beim Auftritt bei der Landesversammlung der Wiener Grünen und in den meisten anderen Interviews. Nicht immer, wie gesagt. In einer Talkshow war wieder alles anders: Sätze wie diesen – „Die wahrgenommenen Linien und Schwankungen, die kommen viel stärker durch als die Einschätzungen darüber, was wirklich ist“ – ins Leere gesprochen, kein Blickkontakt mit den Anwesenden.

Im Gegensatz dazu die verständlichen Erklärungen, was in den Tagen zwischen Hausdurchsuchungen und Ultimatum der Grünen (Regierung ohne Kurz) passiert ist. Die Gründe scheinen klar: Wann immer Kogler in den vergangenen 18 Monaten Kompromisse und Nachgiebigkeit der Grünen vertreten musste, versuchte er sein Unbehagen zu verschleiern. Vergangene Woche hatte er wieder das Heft in der Hand. Er konnte seine und der Grünen Position darstellen, aktiv werden oder, wie er jetzt immer wieder ausführt, als Handelnder für Stabilität, Verlässlichkeit und Orientierung sorgen – nicht als Gehilfe eines überstarken, populären und machtbewussten Partners.

Kogler ist auffallend bemüht, diesen nicht weiter zu provozieren. Er wischte alle Zuschreibungen einer „genialen taktischen Meisterleistung“ beiseite, will den Koalitionspartner keinesfalls ausgetrickst haben. Und dennoch war es so. Wie ihm dies gelingen konnte? Zum einen, weil er eine klare Linie hatte: Fortsetzung der Regierungsarbeit, um grüne Projekte nicht zu gefährden; Vermeidung von Neuwahlen. Zum anderen auch, weil er die ÖVP besser einschätzen konnte, als es dieser bewusst war. Kogler wurde in der Steiermark nicht nur grün sozialisiert, sondern auch im Biotop der steirischen ÖVP. Er wusste, dass die schwarzen Landeshauptleute nichts mehr erschrecken würde als der Verlust der 2017 endlich wieder errungenen Kanzlerschaft mitsamt den dazugehörigen Ämtern und Zugriffen auf Ministerien.

Kogler weiß offenbar, wie die ÖVP tickt. Das Risiko, von dem er selbst sprach, war wohlkalkuliert. Und er hat erkannt, wie den ÖVP-Länderchefs zu begegnen ist, um sie zu überzeugen, Kurz beiseitezuschieben – in atemberaubenden Volten von schriftlichen und verbalen Unterstützungserklärungen bis zum „Liebesentzug“. Die Öffentlichkeit konnte in Echtzeit zusehen, wie schnell sich Länderchefs wie etwa Tirols Günther Platter oder Steiermarks Hermann Schützenhöfer eines Besseren besinnen können, wenn es um Machterhalt geht.