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Buch der Woche

Édouard Louis: Mit dem Müllsack in die Freiheit

Im Roman „Die Freiheit einer Frau“ führt Édouard Louis seine literarische Anklage gegen eine von Männergewalt und Ressentiment geprägte französische Provinz fort – nun mit der berührenden Geschichte seiner Mutter.

Bellegueule“: Mit „scheene Papp'n“ könnte man das dialektal übersetzen. Diesen Nachnamen hat der Schriftsteller im Alter von 20 Jahren ändern lassen – zu Édouard Louis. Nur kurz danach wurde er mit seinem autobiografischen Buch „Das Ende von Eddy“ bekannt. Aufgewachsen in einem winzigen nordfranzösischen Ort, erzählt Louis hier drastisch von Elend, männlicher Gewalt, Alkoholismus und Xenophobie in einer Arbeiterfamilie – und von der homophoben Verachtung gegenüber einem Buben: ihm selbst.

Der erstaunliche Erfolg des heute 29-Jährigen zuerst in Frankreich, dann auch in anderen europäischen Ländern, lässt sich nicht nur literarisch begründen. Louis ist ein guter Erzähler, ein „Angry Young Man“, beeinflusst von William Faulkner; ein Bewunderer von James Baldwin sowie der auch in seinem neuen Buch zitierten Simone de Beauvoir. Und er war blutjung, als sein erster Roman erschien. Dass großstädtische Medien ihn so feierten, hatte aber noch andere Gründe.

Der Roman lieferte ihnen eine literarische Illustration zu den Diagnosen einer „abgehängten“ französischen Provinz, in der das Arbeitermilieu Front National wählt. Und dazu ein starkes literarisches Manifest gegen die Diskriminierung Homosexueller. Louis' Roman gesellte sich zum nicht fiktionalisierten autobiografischen Buch „„Rückkehr nach Reims“, mit dem Louis' Professer an der Uni, der Soziologe Didier Eribon, bereits Furore gemacht hatte. Er erzählte von seiner Jugend als gemobbter Schwuler in einer kommunistischen Arbeiterfamilie, in der die Mutter beginnt, den Front National zu wählen.