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Ihre Heimatinsel ist männerfrei: Lynda Carter als Star der 1970er-Fernsehserie „Wonder Woman“.
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Neue Dystopien

Die männerlose Welt ist doch nicht so schön

Die schöne neue Frauengesellschaft entpuppt sich als Dystopie, der Mann als Pandemieopfer – trotz oder gerade wegen #MeToo? Über einen Trend in Romanen und Serien und einen verlorenen feministischen Traum.

Glasgow 2025: Ärztin Amanda McLean behandelt einen jungen Mann, der mit Fieber ins Spital gekommen ist und gleich darauf ums Überleben kämpft. „Seine Atmung ist schwerfällig. Das flache Keuchen eines Körpers, der die Grundanforderung, Sauerstoff aufzunehmen, nicht erfüllen kann.“ Nach drei Stunden ist er tot. Und er bleibt nicht der Einzige, die mysteriöse Krankheit breitet sich in Windeseile im Spital aus, dann im Umkreis, bald in jedem Winkel der Erde. Betroffen sind nur Männer. Und zwar alle Männer.

Dieses Szenario entwirft die junge Britin Christina Sweeney-Baird in ihrem jüngst erschienenen Debütroman „Die andere Hälfte der Welt“ (im Original „The End of Men“). Es ist ein Pandemieroman, obwohl die Autorin, als sie ihn 2018 begann, noch nichts vom kommenden Coronavirus wissen konnte. Er reiht sich aber noch in eine weitere Tradition: die Welt-ohne-Männer-Fiktion.

Die Beseitigung des Y-Chromosoms

Auch in zwei neuen Serien ist das männliche Geschlecht durch eine Pandemie ausgelöscht. Der australische Sechsteiler „Creamerie“ hat das sogar als Comedy angelegt. Noch radikaler als dort fällt die geschlechtsspezifische Vernichtung in der seit September auf Disney+ zu sehenden amerikanischen Serie „Y: The Last Man“ aus, das auf einem Comic der 2000er-Jahre basiert. Sie trifft nämlich gleich alle männlichen Säugetiere, nur ein Mann überlebt gemeinsam mit seinem Kapuzineräffchen.

Die Lust an der Beseitigung des Y-Chromosoms, besonders durch eine Epidemie, ist in Büchern und Filmen deutlich zu spüren. Dieser populärkulturelle Trend lebt von den Reizen und Vorteilen einer zeitgeistkompatiblen Versuchsanordnung – etwa dass er fast durchwegs weibliche Heldinnen ermöglicht. Zugleich spiegelt er die Entthronung des einst „starken Geschlechts“, die durch #MeToo so rasant beschleunigt wurde. Doch umso mehr fällt auf, wie wenig kämpferisch das alles ist.