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"The Problem with Jon Stewart"
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Humor und Aktivismus

Jon Stewarts Comeback und das Problem mit der Politsatire

Seit September sitzt Jon Stewart wieder vor der Kamera. Mit der „Daily Show“ ebnete der US-Komiker den Weg für Polit-Entertainer von Jan Böhmermann bis Peter Klien. Ihr Format floriert – doch es hat einen Haken.

Jon Stewart sieht müde aus. Als hätte er Jahre in einem Luftschutzbunker verbracht, ohne Rasierapparat. Der alternde Fernsehstar nimmt es mit gewohnt selbstironischem Humor: „Ich bin auch nicht glücklich darüber! Kaum jemand wäre froh, wie ein Anti-Raucher-Plakat auszusehen.“

Dennoch wird man den Eindruck nicht los, dass die Verwerfungen unserer Zeit am 58-Jährigen gezehrt haben. 1999 übernahm Stewart, der seine Karriere als Stand-up-Komiker in New York begann, die Leitung der Satiresendung „The Daily Show“. Er reüssierte dort als scharfzüngiger Kommentator des amerikanischen Polit-Geschehens.

Obwohl er gegen Demokraten und Republikaner austeilte, war seine Haltung eindeutig linksliberal. Unter George W. Bush lief Stewart zur Höchstform auf. Im hurrapatriotischen Klima nach 9/11 wirkten seine geharnischten Brandreden, die mit einer raffinierten Mischung aus Schmäh, Analyse und Pathos die (Kriegs-)Politik des US-Präsidenten anprangerten, wie eine solitäre Stimme der Vernunft – zumindest für erklärte Gegner der Irak-Invasion.

„Daily Show“: Samen des Satire-Booms

Als Barack Obama auf Bush folgte, wurde er von Stewart regelrecht hofiert. Alles schien eitel Wonne in den Vereinigten Medienstaaten Amerikas. 2015 gab der Showmaster sein Satirezepter an den Südafrikaner Trevor Noah ab. Dann kamen Trump, Black Lives Matter, Corona, die Stürmung des Kapitols. Die politischen Ereignisse und Zerwürfnisse überschlugen sich, nicht nur in den USA. Was wohl zu Stewarts Entscheidung beitrug, wieder vor der Kamera Platz zu nehmen. Im September feierte das ironisch betitelte Format „The Problem with Jon Stewart“ bei Apple TV+ Premiere. Im Zweiwochentakt packt es nun die ganz großen Themen an: Krieg, Wirtschaft, Waffengewalt. Jemand muss schließlich die Welt retten!

Dabei gibt es mittlerweile überall Jon Stewarts.