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Kunstranking setzt NFT statt Künstler auf den ersten Platz

Ein Bild von der CrypTOKYO Blockchain Art Exhibition 2021.
Ein Bild von der CrypTOKYO Blockchain Art Exhibition 2021.(c) imago images/ZUMA Wire (Stanislav Kogiku via www.imago-images.de)
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Eine geschützte Datei als einflussreichste Kraft in der aktuellen Kunst? So sieht es das Ranking des Magazins "ArtReview“.

Non-Fungible Tokens (NFT) - digital geschützte Originale - stehen an der Spitze des diesjährigen weltweiten Kunstrankings "Power 100". Die jährlich vom britischen Magazin "ArtReview" veröffentlichte Liste umfasst die nach Ansicht einer anonymen Jury 100 einflussreichsten Persönlichkeiten und Bewegungen der aktuellen Kunst. Ein NFT, also Non-Fungible Token (auf Deutsch etwa "nicht-austauschbare Wertmarke"), ist quasi eine geschützte Datei: Das Werk ist nicht kopier- oder duplizierbar.

Das heißt, der einzigartige Token ist mit dem Werk verknüpft und durch die Blockchain abgesichert. Als Käufer dieser Kunst besitzt man das Echtheitszertifikat einer Datei und damit das Original. Als Beispiel für NFT-Kunstwerke nennt die Jury das bereits vor einigen Jahren entstandene Projekt CryptoPunks, bei dem Interessierte einzigartige, digital generierte zweidimensionale Porträts erwerben konnten.

Hohe Preise wurden erzielt, Museen nutzten NFT

Während noch unklar sei, ob es sich bei den NFT um einen kurzfristigen Hype handle oder sie sich in der Kunstwelt etablierten, hätten sich etliche Museen, Künstler und Galerien in den vergangenen zwölf Monaten mit dem Thema beschäftigt, hieß es von der Jury. Für Werke wie jene des Digitalkünstlers Beeple seien beträchtliche Preise erzielt worden. Außerdem stelle der Schutz von digitalen Originalen für Künstlerinnen und Künstler eine Alternative zu den herkömmlichen Vermarktungswegen dar.

Auch Museen haben völlig neue Einnahmequellen, indem sie Meisterwerke als NFT-Versionen verkaufen. Den Anfang machten die altehrwürdigen Uffizien in Florenz: Michelangelos Meisterwerk „Doni Tondo“, einer der bedeutendsten Schätze des Museums, wurde als digitale NFT-Version im Frühjahr zum Verkauf angeboten. Einer Dame war es 140.000 Euro wert. Dem Beispiel folgten andere italienische Museen, im Herbst griff auch das British Museum die Kryptoidee auf.

Aus der Sicht eines Pilzes

Platz Zwei belegt die amerikanische Anthropologin Anna L. Tsing, die für ihre Arbeiten an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft im Angesicht der ökologischen Katastrophe ausgezeichnet wurde. Mit ihren Darstellungen - unter anderem aus der Sicht eines Pilzes - schaffe sie Raum für neue Perspektiven.

Kriterium für die Jury ist, dass die Bewegungen und Persönlichkeiten in den vergangenen zwölf Monaten aktiv global Einfluss darauf genommen haben, wie zeitgenössische Kunst entsteht. Künstlerinnen und Künstler, die sich mit den Themen Klimawandel und Rassismus oder Diskriminierung auseinandersetzen, waren gleich mehrfach in der Liste vertreten. Im vergangenen Jahr stand die "Black Lives Matter"-Bewegung auf Platz eins der Liste.

(APA/dpa/red.)