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Morgenglosse

Sie haben nichts gelernt

Tirols Landeshauptmann Günther Platter.
Tirols Landeshauptmann Günther Platter.imago images/dmuk-media
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Bevor irgendeine Entscheidung über das Lockdown-Ende getroffen ist, tun die Landeshauptleute wieder öffentlich ihre unterschiedlichen Meinungen kund. Das schwächt alle.

Und wieder fängt es an. Wie ein wiederkehrendes Satirespiel, dessen Inhalt, Höhepunkt und Ende wir eh schon kennen. Dieses Mal ist es der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter, der vorgeprescht ist. Das Land „müsse“ Handel, Gastro, Kultur und Sport öffnen. Man müsse ja sein Wort gegenüber der Bevölkerung halten. Aber, aber bremste der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer sofort. Er hätte zwar auch gerne ein Gulasch im Lokal, aber er sehe darin jetzt doch ein Wohlstandsproblem. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig geht, restriktiver als alle andere, ohnehin wieder mit 2Gplus seinen eigenen Weg. Aber das sei doch kein Hindernis, erinnerte Doch-noch-Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, die nicht erst, seit sie die Regierungsumbildung überstanden hat, nur noch ans Skifahren denkt, die Landeshauptleute öffentlich. Es könne ja jedes Bundesland von sich aus strengere Maßnahmen setzen.

Bitte nicht. Wann versteht die Politik endlich, dass ein Land mit neun Regenten schwach wirkt? Dass es mühsam ist, jeden Tag in der Zeitung zu lesen, dass es neun Lösungswege gibt und mindestens neun Argumente, warum man selbst Recht hat und die anderen nicht. Neun Meinungen, die kursieren, machen alle neun Meinungen schlecht. Und da sind Kanzler, Vizekanzler, Gesundheitsminister und offenbar auch die Tourismusministerin noch nicht einmal mitgezählt.

Acht Mal Gesichtsverlust

Jetzt könnte man sagen, ist doch egal. Aber jedes Bundesland behält auch nicht seine Kranken auf den Intensivstationen für sich. Jeder kann außerdem nachher sehen, wer sich durchgesetzt hat. Was mindestens acht Mal zu Gesichtsverlust führt. Und weitere acht Mal dazu, dass irgendwer versucht, sein Gesicht mit irgendwelchen Ausnahmen zu retten. Was ist so jemanden in so einem Moment wieder völlig egal? Richtig. Das Wohl des ganzen Landes.

Wir sind Österreich? Nein. Wir sind im Moment Wien, Oberösterreich, Burgenland, Tirol etc. Aber niemals ein Land geeint mit einer Strategie gegen die Pandemie.

Vielleicht sollten wir diese Haltung einmal hinterfragen. Denn dieses Land und seine Regierenden sind ein Satirespiel, das nicht mehr lustig ist.