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Giftschlamm: "Das ist immer noch die pure Katastrophe"

Giftschlamm immer noch pure
(c) AP (Bela Szandelszky)
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Fünf Wochen nach der Giftschlamm-Katastrophe in Ungarn ist die Gegend immer noch verschmutzt, die Bewohner sind verzweifelt.

Hunderte zerstörte Häuser, rote Straßen und Felder, Gestank und verzweifelte Bewohner - vor rund fünf Wochen ist in Ungarn in einem Aluminiumwerk ein Becken mit giftigem Rotschlamm gebrochen und hat das umliegende Land unter zwei Millionen Kubikmetern giftiger Schlacke begraben.

Heute ist die Situation in den betroffenen Dörfern weiterhin prekär: "Das ist immer noch die pure Katastrophe", bringt es Caritas-Mitarbeiterin Felicitas Filip auf den Punkt. Mit Kollegen verteilt sie Lebensmittel, Hygieneartikel, Desinfektionslösungen, Medikamente und vor allem Wasserflaschen an die Bevölkerung.

Menschen haben Angst vor Plünderungen

"Die Menschen wollen das Wasser aus den Zisternen natürlich nicht trinken", erzählte Filip. Rund 8000 Einwohner jener Dörfer, die in der Nähe des Aluminiumwerks angesiedelt sind, seien von direkt betroffen. "Aber nur die wenigsten wollen weg. Viele haben auch Angst vor Plünderungen."

Mittlerweile sei auch die Arbeitslosigkeit massiv gestiegen, berichtete die Katastrophen-Helferin: "Die kleinen Betriebe haben fast alle zusperren müssen." Diejenigen, die weggezogen sind und bereits neue Wohnungen in anderen Städten gefunden haben, werden von der Caritas mit Möbel versorgt. "Die Leute, die hier wohnen, haben nie viel besessen."

Schlechte Luft und "Schlammtouristen"

Der geborstene Damm des Unglücksbeckens sei nach wie vor ein Trümmerhaufen, sagte Filip. "Und wenn es regnet, rinnt das rote Zeug wieder heraus." Insgesamt seien es elf Auffangbecken, in dem seit vielen Jahrzehnten Giftschlamm gelagert war. "Die Menschen hier hatten immer schon Nierenprobleme."

Militär und Polizei hätten auch mit eher unappetitlichen Begleiterscheinungen alle Hände voll zu tun: nämlich mit "Schlammtourismus". Filip: "Es kommen viele Schaulustige hierher, aber sie werden zum Glück nicht durchgelassen." Die Szenerie werde nach wie vor beherrscht von Lkw und Baggern, die nahezu rund um die Uhr damit beschäftigt sind, den Giftschlamm aus den Dörfern und von den Feldern auf Deponien zu befördern.

Für die Caritas-Mitarbeiterin ist die Katastrophe jedenfalls noch lange nicht vorbei: "Die Luft ist extrem schlecht. Ich hab' schon nach ein paar Stunden starkes Kopfweh bekommen. Wie muss das dann für die Leute sein, die ständig hier leben?"

(APA)