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2021 war laut Wienerberger-Chef "bestes Jahr der Unternehmensgeschichte"

Wienerberger stellt nicht nur Ziegel her, sondern auch andere Baustoffe.
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Baustoffe. Der Ziegelriese Wienerberger schrieb 2021
Rekordzahlen. Der Umsatz kletterte auf vier Milliarden, der Gewinn wurde vervielfacht. Vom Green Deal erwartet der Ziegelkonzern einen Nachfrageschub.

Wien. Bei den Baustoffen ging es los mit den Preiskapriolen. Als im Frühjahr 2021 die Weltwirtschaft nach von Lockdowns und behördlichen Einschränkungen geprägten Monaten wieder in die Gänge kam, wurde in der Bauwirtschaft weit mehr nachgefragt, als Baustoffhersteller liefern konnten. Ob Stahlbeton, Holz oder Kunststoffrohre: Die Preise explodierten. Im Rückblick wirken die starken Preissteigerungen wie ein Vorbote der späteren Verwerfungen auf den globalen Lieferketten. In vielen Branchen wuchs die Nachfrage zuletzt weit schneller als das Angebot – und die Preise stiegen.

Dem heimischen Ziegel- und Baustoffkonzern Wienerberger bescherte die starke Nachfrage in dem vergangenen, von Rohstoffknappheit, Lieferengpässen und zuletzt auch hohen Energiepreisen geprägten Geschäftsjahr jedenfalls Rekordzahlen. Den Gewinn verdreifachte das börsenotierte Unternehmen auf 311 Millionen Euro, der Umsatz wuchs um 18 Prozent auf rund vier Milliarden Euro. Wienerberger-Chef Heimo Scheuch sprach am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz vom besten Jahr der Unternehmensgeschichte.

Hohe Kosten

Zwar sei auch Wienerberger von Kostensteigerungen entlang der Lieferkette nicht verschont geblieben. Eine nachhaltige Einkaufspolitik habe aber dabei geholfen, die Inflation abzufedern, sagte Scheuch. Man habe sich gut auf Preisschwankungen bei Rohstoffen oder Energie vorbereitet. Die dennoch teilweise erheblichen Kostensteigerungen im zweiten Halbjahr 2021 habe man nach Möglichkeit an die Kunden weitergereicht. Das sei auch für heuer geplant, schließlich rechnet das Wienerberger-Management mit einer weiteren Preissteigerung von rund sieben Prozent.

Man arbeite angesichts der starken Nachfrage auch daran, die Produktionskapazitäten zu erhöhen. Das gehe aber nicht von heute auf morgen, die Werke seien bereits sehr gut ausgelastet, sagte Finanzvorstand Gerhard Hanke: „Wir arbeiten hart daran, die Lieferfähigkeit aufrechtzuerhalten.“

Halbe Milliarde für Übernahmen

Viel Geld nahm der Ziegelkonzern im vergangenen Geschäftsjahr jedenfalls für Firmenübernahmen in die Hand. „Wir haben fast eine halbe Milliarde Euro in neue Unternehmen investiert“, sagte Konzernchef Scheuch, der zugleich weitere Akquisitionen in Aussicht stellte.
Die jüngsten Zukäufe in Nordamerika beziehungsweise England und Irland – Meridian Brick und Flo Plast – sollen im heurigen Geschäftsjahr 60 Millionen Euro zum Ergebnis beitragen. Mit Meridian Brick bietet Wienerberger Fassadenlösungen an, mit Flo Plast Abwasser- und Regenwassersysteme.

Im Bereich Kunststoffrohre wiederum hat sich Wienerberger 2021 aus Russland und Griechenland zurückgezogen. Die Standorte entsprachen nicht mehr den „Kriterien für zukünftiges Wachstum“, steht im Geschäftsbericht.

Konzern richtet sich neu aus

Überhaupt wandelt sich der Konzern. Noch 2012 machte Wienerberger zwei Drittel der Umsätze im Neubausegment, inzwischen steht dieser Bereich nur noch für etwas weniger als die Hälfte der Umsätze. Dafür machte Wienerberger im vergangenen Geschäftsjahr 29 Prozent des Umsatzes im Bereich Renovierung und 22 Prozent im Bereich Infrastruktur. Den eingeschlagenen Weg wolle man fortsetzen, sagte Scheuch am Mittwoch.

Wienerberger rechnet heuer weiterhin mit einer soliden Nachfrage auf hohem Niveau im Bereich des Neubaus von Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie mit einer anhaltend starken Renovierungstätigkeit. Vom europäischen Green Deal erwartet man sich einen zusätzlichen Renovierungsschub. Der Bedarf an Infrastrukturlösungen dürfte sich im neuen Geschäftsjahr laut Einschätzung des Konzerns stabil entwickeln. „Mittelfristig wird dieses Segment auch von der Umsetzung der von den EU-Mitgliedstaaten angekündigten Förderprogramme profitieren“, heißt es im Geschäftsbericht.

Emissionen sanken

Den eigenen CO2-Ausstoß habe man im vergangenen Geschäftsjahr um acht Prozent gesenkt. Bis 2030 will man die Emissionen um 40 Prozent reduzieren. Außerdem setze man auf Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Produkte mit langem Lebenszyklus.

Im neuen Geschäftsjahr will der weltweit größte Ziegelkonzern 165 Millionen Euro ins Wachstum investieren und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von heuer 694 Millionen auf 750 bis 770 Millionen Euro steigern. Bei der Hauptversammlung im März werde man eine Erhöhung der Dividende um 25 Prozent auf 75 Cent je Aktie vorschlagen.

(luis)