Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Randerscheinung

Hackordnung unter Infizierten

Carolina Frank
  • Drucken

Geimpft, getestet und (klopf, klopf, klopf) bald genesen, sollte ­dieser Frühling dann aber nicht mehr allzu lang auf sich warten lassen.

Entgegen anderslautenden Meldungen funktioniert das Contact Tracing bei uns immer noch reibungslos. Der Älteste war mit negativem PCR-Test, aber heftiger Verkühlung am Wochenende bei uns, sein „Ich bin positiv“-SMS ereichte uns erst, als er nach erfolgter Virusübertragung an die Familie schon wieder weg war. Der Mittlere fängt tags darauf zu husten und schnupfen an (muss einen für seine Uni-Ferien geplanten Berlin-Besuch absagen, was seiner Laune nicht wirklich zuträglich ist), der Jüngste und ich folgen danach.

Nur die Frau im Haus widersteht dem Viren­geschleuder ungerührt. Unter den Infizierten herrscht so eine Art Hackordnung: Die Buben schauen auf mich herab, weil ich trotz meiner Symptome keinen positiven PCR-Test geschafft habe. Wenn das alles ein ­milder Verlauf ist (und ich beschwere mich ausdrücklich nicht), dann möchte man echt nicht wissen, worauf das ungeimpft hinauslaufen kann. Wir hängen also zusammen im Pyjama ab, der Jüngste liefert sich mit dem Hund einen Contest, wem langweiliger ist. „Mir ist sooo fad“, sagt er, mein Ratschlag Richtung der gefürchteten Ls (Lesen und Lernen) kostet ihn nur einen Huster. Ich lege also mein Buch zur Seite (seufz!), und wir enden mit dem Mittleren beim Omikron-Würfelpoker.

„Es nervt mich schon“, meint der Mittlere nach seinem dritten durchwachsenen Versuch, seine Laune bessert sich nach einem Sechser-Grande schlagartig und wird mit an­­haltendem Glück fast unerträglich gut – Wortspiele wie „Fool House“ in meine Richtung inklusive. Zäh ist das alles, aber auf zehn Tage auf oder ab kommt es nach den zwei Jahren auch nicht mehr an. Geimpft, getestet und (klopf, klopf, klopf) bald genesen, sollte ­dieser Frühling dann aber nicht mehr allzu lang auf sich warten lassen. 

("Die Presse Schaufenster" vom 25.2.2022)