Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Leitartikel

Alles um des lieben Friedens willen? Es gibt noch Schlimmeres als Krieg

„Die Waffen nieder“ oder „Stoppt Putin“? Die Friedensapostel wissen nicht mehr, was sie wollen. Doch ein gereifter Pazifismus wäre mehrheitsfähig.

Traditionen sind etwas Feines. Zu Ostern gehören Eier, Hasen, Nester – und Ostermärsche. Nie gehört, ihr jüngeren Leser? Bis zum Ende des Kalten Kriegs zogen jedes Jahr zu Ostern friedensbewegte Bürger durch die Straßen, Hunderttausende in Deutschland, nicht ganz so viele in Österreich. Diese Kundgebungen haben nie aufgehört, aber zuletzt gingen immer weniger hin. Love and peace? Soldaten sind Mörder? Um nicht ganz gestrig zu wirken, skandierten die schütteren Häufchen lieber Parolen für Klimaschutz und Flüchtlinge. Der Krieg war in unseren Wohlfühlgesellschaften dem Vorstellungsvermögen entglitten. Wir nahmen ihn nur noch auf Kinoleinwänden wahr, in weiche Polsterstühle versunken, oder flüchtig in Kurznachrichten über ferne, fremde Weltgegenden. Damit geriet auch der Pazifismus in Vergessenheit, während er – nur scheinbar paradox – in Europas Realpolitik seine größten Triumphe feierte: Stetig sinkende Verteidigungsbudgets, davon hätten die Gegner des Nato-Doppelbeschlusses kaum zu träumen gewagt.