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Randerscheinung

Bauliche Veränderung im Kinderzimmer

Carolina Frank
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Was bauliche Veränderungen in Kinderzimmern betrifft, bin ich eher konservativ. Und handwerklich bin ich so mittelgut.

Der Jüngste will also da ein Brett an der Wand über seinem Bett haben. Dort, wo bisher die gelben tanzenden Hühner hingen, die seine Tante gemalt hat. Die wunderbaren Hühner sollen an die Wand gegenüber, auf das Brett sollen Figuren kommen, die er nun sammeln will. Nun bin ich handwerklich so mittelgut. Keine zwei linken Hände, aber auch keine zwei rechten, eine linke und eine rechte Hand eben. Dazu kommt noch der Saustall bei den Werkzeugen. Da liegen Hammer, Schrauben, Inbusschlüssel wild durcheinander in Regalen, Kisten und Schachteln herum. Eigentlich ein bisserl zum Genieren. Was bauliche Veränderungen in Kinderzimmern betrifft (und ein Regalbrett in einer Stahlbetonmauer ist eine bauliche Veränderung), bin ich eher konservativ.

Zu genau kann ich mich an jeden Montageschritt erinnern, der dem so harmlos klingenden Satz „Ich möchte meine E-Gitarre da an die Wand hängen“ des Mittleren folgte. Der leere Gitarrenhalter wird für immer dort hängen, zu groß wären die Verheerungen, wollte man ihn abmontieren. So ist es auch mit den im Dunklen leuchtenden Sternen auf (!) den Fensterscheiben, den vielen coolen Stickern, die den Kleiderkasten schmücken, und den zahllosen Schrauben, die in der Wand stecken. Dazwischen bin ich aber überrascht, wie leicht manches gelingt. Der Wunsch nach dimmbarer LED-Beleuchtung, den ich lang versucht habe abzuwehren, weil ich mir die Montage nicht zugetraut habe, erwies sich als bloßes Ankleben einer fünf Meter langen Lichterkette. Eine Sache von zehn Minuten, und es schaut super aus. Das mit dem Brett werde ich noch ein wenig hinauszögern, bevor ich beginne, meine Dübel zu suchen. Ich mag die Hühner dort, vielleicht vergisst er seinen Wunsch ja wieder.

("Die Presse Schaufenster" vom 15.4.2022)