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In der populärsten Rolle seines Lebens: Willi Resetarits als Ostbahn-Kurti, live beim „Klassentreffen“ 2019 auf der Kaiserwiese im Prater. [ Johannes Ehn / picturedesk.com ]
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Nachruf

Abschied von Willi Resetarits, Kopf und Herz der Wiener Weltmusik

Willi Resetarits ist im Alter von 73 Jahren tödlich verunglückt. Nicht nur als Ostbahn-Kurti bleibt er unvergesslich. Seinen letzten Abend verbrachte er beim Wiener Flüchtlingsball.

„Ich liebe das Leben, denn sonst wäre ich tot“, sagte Willi Resetarits in seiner 2018 erschienenen Autobiografie. Nun ist er gestorben, dieser hoch sympathische Mann, der über Jahrzehnte die österreichische Pop- und Weltmusik geprägt hat. Er war im besten Sinn authentisch. So ist es scheinbar paradox, dass er in einer Rolle am populärsten wurde. Als eine fiktive Figur, die sich Wolfgang Kos und Günter Brödl ausgedacht hatten: als Ostbahn-Kurti, später zum Prof. Kurt Ostbahn avanciert. Als dieser machte er ab 1983 den Rhythm'n'Blues zum Favorit'n-Blues, transformierte die Mythen der amerikanischen Suburbs in die Wiener Vorstadt, in die Simmeringer Haide, ins Espresso Rosi oder nach Kagran.

Wenn er etwa Bruce Springsteens „Factory“ interpretierte, den alten Arbeiter seinen Kaffee auf dem Rechaud wärmen ließ, war das mehr als eine Aneignung. Seine Fans, die Kurtologen, konnten fast jedes Wort auswendig mitsingen, Sätze wie „Na, so wirst ned oid“ sowieso aus vollem Herzen, und haben sich gewiss schon auf das geplante Wiedersehen, das „Klassentreffen“, im Sommer gefreut.

Es wird nicht stattfinden, genauso wenig wie die geplanten Termine mit dem Ensemble Stubnblues, mit dem Resetarits seine Vision einer Volksmusik, die zugleich Weltmusik ist, verwirklichte. Zu den berührendsten Momenten seiner Auftritte zählte es, wenn er das kroatische Volkslied „Lipo ti je čuti“ sang. Er war ja Burgenlandkroate. Geboren 1948 in Stinatz, kam er als kleiner Bub mit den Eltern – und dem großen Bruder, dem späteren Kabarettisten Lukas Resetarits – nach Wien. „Mein Bruder und ich sprachen kein Wort Deutsch“, erinnerte er sich später: „Wir kamen nicht nur in eine fremde Stadt, sondern mussten auch eine fremde Sprache lernen.“ Diese Erfahrung – zusätzlich zur ihm eigenen Empathie – hat wohl mit bewirkt, dass er sich später so intensiv für Integration engagiert hat.