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Infrastruktur

Forschung an den Netzen von morgen

18 Milliarden Euro wollen die Netzbetreiber bis 2030 in die Stromnetze investieren.(c) APA
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18 Milliarden Euro sollen bis 2030 investiert werden,
um das Stromnetz fit für die erneuerbaren Energien zu machen.
Davon profitiert auch Österreichs Wirtschaft.

Ab 2030 sollen alle Strombezieher in Österreich, also selbst energieintensive Industriebetriebe, mit Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen versorgt werden. Das hehre Ziel bringt grundlegende Veränderungen für die Energiewirtschaft: „Bislang gab es wenige große Kraftwerke, von denen Strom kontinuierlich zu den Abnehmern floss, künftig wird es übers ganze Netz verteilte Einspeiser von der PV-Anlage am Einfamilienhaus bis zum Windpark geben, die Strom ins Netz liefern“, erläutert Franz Strempfl, Spartensprecher Netze bei Oesterreichs Energie und Geschäftsführer Energienetze Steiermark.

Strom braucht Gleichgewicht

Die große Herausforderung für die Energiewirtschaft kommt von der Physik: Auch in diesem Netz mit seinen unzähligen Erzeugern und Abnehmern und je nach Sonnenschein, Wind und Verbrauchsverhalten rasch wechselnden Szenarien müssen Erzeugung und Verbrauch von Strom stets im Gleichgewicht sein – andernfalls bricht das Netz zusammen. Das geht nur mit automatisierten und intelligenten Leitungen, sogenannten Smart Grids: „Digitale Technologien, Algorithmen und künstliche Intelligenz werden Schwankungen automatisch erkennen und reagieren, selbstheilende Netze werden auch in Zukunft die hohe Versorgungssicherheit gewährleisten“, verspricht Strempfl. Um das zu realisieren, müssen Österreichs Netzbetreiber viel Geld in die Hand nehmen. „Wir werden bis 2030 zehn Milliarden Euro in die Aufrechterhaltung und weitere acht Milliarden in die Erweiterung und Ertüchtigung der Stromnetze investieren“, berichtet Strempfl. Zugute kommt der Geldsegen zu einem großen Teil der österreichischen Wirtschaft, und hier auch der Industrie: „80 Prozent unserer Investitionen sind lokale Wertschöpfung“, betont Strempfl.

Über den Auftragssegen freuen sich die heimischen Unternehmen: „Die geplanten Investitionen sind für die gesamte Energietechnikbranche ungemein wichtig und ein enormer Antriebsfaktor“, sagt etwa Alexander Tolinger, Head of Grid Integration für Österreich bei Hitachi Energy. Eine der Herausforderungen beim Umbau des Stromnetzes wird der Fachkräftemangel sein. Hitachi Energy beschäftigt in Österreich derzeit rund 80 Mitarbeiter: „Aufgrund der guten Auftragslage ist der Konzern stetig auf der Suche nach zusätzlichem qualifizierten Personal“, so Tolinger.

Viele Forschungsansätze

Auch viel Forschungsarbeit ist für die Smart Grids der Zukunft noch notwendig. Österreichs Industrie arbeitet hier an international beachteten Projekten. So haben Siemens, das Austrian Institute of Technology (AIT), die Wiener Net-ze und ausländische Forschungspartner für den internationalen Markt LarGo! entwickelt. Diese Software ermöglicht es, bei Trafostationen vollautomatisch Software-Updates zu installieren, die das Netzverhalten analysieren und potenziell problematische Situationen vorhersagen können oder direkt regelnd eingreifen. Im Rahmen des noch bis 2023 laufenden Projekts „Aspern Smart City Research“ (ASCR) will Siemens Lösungskonzepte entwickeln, die die heutige Verteilernetz-Infrastruktur für die Energiewende fit machen und zugleich die bisherige hohe Versorgungsqualität sichern.

An leistungsfähigen und zugleich stabilen Smart Grids forschen auch Wissenschaftler der TU Wien. Albana Ilo beschäftigt sich am Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe mit einer völlig neuen ganzheitlichen Lösung für die künftigen automatisierten Stromnetze. Dezentrale Architektur soll modernisierten Netzen mit Millionen großer und kleiner Produzenten, Speichern und Verbrauchern Sicherheit und Zuverlässigkeit verleihen und zugleich dem Datenschutz gerecht werden. Auch hier bieten sich Chancen für Österreichs Industrie: „Wir wollen die Lösung in Österreich entwickeln und mit österreichischen Industriepartnern realisieren“, erzählt Ilo.

Auf einen Blick

Um das Netz im Gleichgewicht zu halten, müssen sich Stromproduktion und -verbrauch die Waage halten. Mit der neuen Energie-Architektur, bei der sich zu den großen, professionellen Erzeugern zahllose private „Prosumer“ dazugesellen, wird das immer schwieriger. Erschwerend hinzu kommen die wetterabhängigen Erzeugungsbedingungen bei Wind und Sonne. Die Versorger setzen daher auf digitale Technologien, die die Netze nahezu vollautomatisch in Balance halten.