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Verbraucherpreise

Deutsche Inflationsrate bereits bei 7,4 Prozent

Energie ist im Nachbarland um 35 Prozent teurer als vor einem Jahr. Überdurchschnittliche Preissteigerungen gibt es auch bei Lebensmitteln.

In Österreich dürfte die Inflationsrate im April laut Schnellschätzung der Statistik Austria von Ende des Vormonats auf 7,2 Prozent weitergeklettert sein. Und auch in Deutschland frisst sich die Inflation   immer tiefer in die Haushaltsbudgets der Menschen. Nach Einschätzung von Ökonomen müssen sich Verbraucher auch in den kommenden Monaten auf Teuerungsraten von mehr als 7 Prozent einstellen. Deutliche Preissteigerungen erfassen zunehmend mehr Bereiche des täglichen Lebens. Im April lagen die Verbraucherpreise um 7,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Das Statistische Bundesamt bestätigte damit am Mittwoch eine erste Schätzung.

Es war der höchste Stand seit der deutschen Wiedervereinigung 1990. In den alten Bundesländern wurde eine ähnlich hohe Teuerungsrate im Herbst 1981 infolge des ersten Golfkriegs zwischen dem Irak und dem Iran gemessen. Von März auf April dieses Jahres stiegen die Verbraucherpreise um 0,8 Prozent.

Stark gestiegene Energiepreise heizen die Inflation an. Der Krieg in der Ukraine hat diesen Trend verstärkt. Im März war die jährliche Teuerungsrate bereits auf 7,3 Prozent geschnellt. Hinzu kommen unterbrochene Lieferketten unter anderem aufgrund des Corona-Lockdowns in Teilen Chinas.

Höhere Inflationsraten schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger leisten können. Die Bundesregierung hat inzwischen zwei milliardenschwere Pakete geschnürt, um die Menschen zu entlasten.

Im April verteuerte sich Energie gegenüber dem Vorjahresmonat um 35,3 Prozent. Die Preise für leichtes Heizöl verdoppelten sich nahezu. Auch für Sprit (38,5 Prozent) und Erdgas (47,5 Prozent) mussten Verbraucher deutlich mehr zahlen.

Nahrungsmittel verteuerten sich überdurchschnittlich um 8,6 Prozent. Besonders deutlich stiegen die Preise unter anderem für Speisefette und Speiseöle (27,3 Prozent) sowie Fleisch und Fleischwaren (11,8 Prozent). Daneben kosteten auch andere Waren innerhalb eines Jahres deutlich mehr, etwa Fahrzeuge (8,9 Prozent) und Geräte der Informationsverarbeitung (8 Prozent).

Weiter hohe Teuerungsraten

Die Menschen müssen sich nach Einschätzung von Ökonomen vorerst weiter auf hohe Teuerungsraten einstellen, auch weil viele Unternehmen die gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten teilweise weitergeben und die Preise erhöhen. "Die Inflation in Deutschland dürfte damit auch in den kommenden Monaten bei über 7 Prozent liegen", sagte der Konjunkturchef des Ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser, jüngst.

Für das Gesamtjahr rechneten Volkswirte zuletzt mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von mehr als 6 Prozent bis zu nahezu 7 Prozent in Europas größter Volkswirtschaft. Im vergangenen Jahr lag die Rate im Schnitt bei 3,1 Prozent.

Die Deutsche Bundesbank rechnet inzwischen mit einer Inflationsrate von durchschnittlich fast 7 Prozent. Vor allem wegen des Anstiegs der Energiepreise seien die Inflationsraten im Euroraum auf ein nie dagewesenes Niveau gestiegen, sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel am Mittwoch bei einer Veranstaltung der DZ Bank in Berlin. Die Teuerungsrate im gemeinsamen Währungsraum war im April auf 7,5 Prozent und damit den höchsten Stand seit der Euro-Einführung geklettert. Insgesamt hätten Preiserhöhungen an Breite gewonnen, sagte Nagel. Die Bundesbank gehe nun davon aus, "dass die Inflationsrate in Deutschland im Jahr 2022 knapp 7 Prozent erreichen wird".

(APA/Reuters/dpa)