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Nahrungsmittel

Putins gefährliches Spiel mit dem Weizenpreis

News Bilder des Tages March 23, 2022, Narayanganj, Dhaka, Bangladesh: Women workers are processing wheat in a mill in Na
Auch in Bangladesh werden Nahrungsmittel zusehends teurer.IMAGO/ZUMA Wire
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Trotz der westlichen Sanktionen wird Russland heuer seine Weizenexporte erhöhen. Denn es steht nicht nur eine Rekordernte ins Haus, es wurde auch viel Weizen aus der Ukraine gestohlen.

"Es könnte ein neuer Rekord in der russischen Geschichte werden", sagte der russisches Präsident Wladimir Putin am Donnerstag bei einem Treffen hochrangiger Wirtschaftsvertreter in Moskau. Und er sprach dabei über die bevorstehende Weizenernte. Während nämlich Europa vor allem vom russischen Gas abhängig ist, steigt in den Entwicklungsländern die Abhängigkeit vom russischen Weizen. Experten befürchten bereits Hungersnöte in Teilen Afrikas. Auch dieses Szenario hat Putin in seinen Krieg längst einkalkuliert.

Derzeit wird in Russland mit einer Getreideernte von 130 Millionen Tonnen im laufenden Jahr gerechnet, davon 87 Mio. Tonnen Weizen. Russland hat 2020 den Rekord von 133,5 Mio. Tonnen Getreide eingefahren, darunter 85,9 Mio. Tonnen Weizen. Im vergangenen Jahr fiel die Ernte aber geringer aus. Eine konkrete Schätzung zu den Ausfuhren gab Putin nicht ab. Kritik kommt aus der Ukraine. "Russland handelt mit ukrainischem Getreide, das sie in der Südukraine gestohlen haben", sagte Außenminister Dmytro Kuleba in der ARD. Kiew wirft dem Nachbarn vor, Lager geplündert und die Agrar-Produkte ins eigene Land verfrachtet zu haben.

Russland ist einer der größten Getreideexporteure

Russland ist einer der weltweit größten Getreideexporteure. Es liefert weiter ins Ausland - trotz der Schwierigkeiten bei Logistik und Zahlungen, die durch die Sanktionen des Westens nach dem Einmarsch in die Ukraine verursacht wurden. Höhere Ausfuhren könnten dazu beitragen, die steigende weltweite Nachfrage zumindest teilweise zu decken - vor allem dann, wenn die ukrainischen Exporte niedrig bleiben und die Ukraine den Zugang zu seinen Schwarzmeerhäfen nicht wiedererlangen dürfte, wie das Agrar-Beratungsunternehmen Sovecon betonte.

Denn die Ukraine, die ebenfalls ein weltweit wichtiger Getreidelieferant ist, hat seit Kriegsbeginn mit den Ausfuhren große Schwierigkeiten. Die ukrainischen Häfen sind von Russland blockiert. Die EU-Kommission kündigte deshalb an, der Ukraine beim Export von Millionen Tonnen Getreide zu helfen. Das Land war in der Saison 2020/21 der viertgrößte Getreideexporteur der Welt, wie Daten des International Grains Council zeigen. Demnach wurden 44,7 Mio. Tonnen ins Ausland verkauft, hauptsächlich nach China, Afrika und Europa. Es ist auch einer der größten Produzenten von Sonnenblumenöl.

UN-Bericht zeigt sich besorgt über Ernährungssicherheit

Den russischen Exporteuren wiederum ist es bisher weitgehend gelungen, die Probleme mit der Logistik und dem Zahlungsverkehr zu lösen, die durch westliche Sanktionen entstanden sind. So wird Weizen von der russischen Seite des Schwarzen Meeres und sporadisch vom Asowschen Meer aus verschifft.

Der Krieg gegen die Ukraine gefährdet einem UN-Bericht zufolge die Ernährungssicherheit in vielen armen Ländern. Staaten wie Afghanistan, Äthiopien, Haiti, Somalia, Südsudan, Syrien und Jemen seien besonders betroffen, geht aus dem aktuellen Bericht des von den Vereinten Nationen und der EU gegründeten Global Network Against Food Crises hervor. So habe Somalia im vergangenen Jahr mehr als 90 Prozent seines Weizens aus Russland und der Ukraine bezogen, die Demokratische Republik Kongo 80 Prozent und Madagaskar 70 Prozent.

(APA)