Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Randerscheinung

Ein "Danke Florian" zum Vatertag

Carolina Frank
  • Drucken

Ich kann also der Versuchung nicht ­widerstehen und kaufe (mir) so eine lila Packung Schoko­herzen (mit Haselnusscreme gefüllt), auf der groß steht: „Danke Papa“.

Ich weiß nicht, ob das tatsächlich neu ist, vielleicht habe ich es nur bisher nicht bemerkt. Analog zu ­Weihnachten und Ostern werden im Supermarkt nun schon Wochen vor dem Vatertag Süßigkeiten angeboten, die den Scheinwerfer ausnahmsweise grell auf den männlichen Elternteil richten. Verdientermaßen mit weitaus weniger Produkten als vor Nikolaus und Muttertag, aber immerhin. Ich kann also der Versuchung nicht ­widerstehen und kaufe (mir) so eine lila Packung Schoko­herzen (mit Haselnusscreme gefüllt), auf der groß steht: „Danke Papa“. Den Inhalt esse ich, ein Foto davon schicke ich in die Familiengruppe.

Dafür ernte ich vom Ältesten ein „Hahaha“ und vom Mittleren ein „Danke, Florian“ und hoffe darauf, damit die schleppenden Vorbereitungen für den Vatertag ins Rollen gebracht zu haben. Denn bisher (und bisher sind schlappe 24 Jahre) wurde mein Ehrentag in der Familie eher stiefväterlich behandelt, um es vorsichtig auszudrücken. Bis auf vor zwei Jahren, als ich eine Karte bekommen habe, mit der Aufschrift „Alltagsheld Papa“ und einem Pfotenabdruck auf der Rückseite. Die Karte war „vom Hund“, weil ich tagein, tagaus in aller Herrgottsfrüh bei jedem Wetter eine Stunde lang mit ihm über die Weinberge renne. Immerhin. Ein paar Tage später gönne ich mir noch eine Schachtel Milchcremeherzen, auf der diesmal „Coolster Papa“ steht, die ich wieder esse und das Foto erneut in die ­Familiengruppe schicke. Dafür bekomme ich ein „Danke, coolster Papa“ des ­Mittleren, sonst ernte ich Schweigen. Wobei das mit dem coolsten Papa eh so eine Sache ist. Irgendwie klingt das gut, führt aber letztlich nur dazu, dass mir immer irgend­welche wichtigen ­Kleidungsstücke abhanden kommen. ­Disclosure: Diese Kolumne wurde am Freitag vor dem Vatertag verfasst. 

("Die Presse Schaufenster" vom 17.06.2022)