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Pop

„Africa" von Toto wird 40: Ein ewiger Hit, der Rätsel aufgibt

Toto (l-r): David Paich, Mike Porcaro, Jean-Michel Byron, Jeff Porcaro, Steve Lukather
Toto anno 1990 (vlnr): David Paich, Mike Porcaro, Jean-Michel Byron, Jeff Porcaro und Steve Lukather(c) Fryderyk Gabowicz / dpa Picture (Fryderyk Gabowicz)
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Dieser Rhythmus! Dieser hymnische Refrain! Diese melancholisch leichte Stimmung! „Africa“ ist ein Dauerhit, auch dank „Stranger Things“. Aber was soll dieser seltsame Text eigentlich bedeuten?

Nicht nur Kate Bushs „Running Up That Hill“ erlebt dank „Stranger Things“ einen zweiten Frühling – auch Totos „Africa“ kam in der Serie prominent vor und wurde von neuen Zuhörern entdeckt. In der allerersten Folge der Netflix-Serie untermalte der Song eine romantische Szene zwischen Nancy (Natalia Dyer) und Steve (Joe Keery). Im Folgejahr gehörte der Track in Großbritannien zu den am häufigsten gestreamten Songs. Auf Spotify wurde „Africa“ bisher mehr als 1,2 Milliarden Mal abgerufen. Auf Youtube kommt alleine das offizielle Video auf rund 800 Millionen Views.

Freilich war „Africa“ schon vor „Stranger Things“ ein Dauerhit. Absehbar war das nicht unbedingt. Es war das letzte Lied auf dem Album „Toto IV“, das im April 1982 erschien. Im Juni desselben Jahres wurde das mit 4:55 Minuten relativ lange Stück in einer kürzeren Version von 4:21 Minuten als Single ausgekoppelt – sie sollte die erfolgreichste der amerikanischen Rockband werden. Wobei der Song nicht unbedingt auf Platz eins der Charts landete, weder in Österreich (Platz sieben), noch in Deutschland (Platz 14) oder in Großbritannien (Platz drei) – dafür aber in den USA.

Ein unwiderstehlicher Schlagzeug-Break

Bis heute fasziniert das Lied. Woran liegt das? Sicher an der eingängigen Hookline, den zeittypischen Synth-Flächen und eben diesem hymnischen, mehrstimmig gesungenen Refrain, der eine melancholische, trotzdem leichte Stimmung verbreitet. Doch die wahren Stars des Songs sind die Rhythmen: die eingängige Basslinie, die Marimba- und Kalimba-Sounds sowie dieser unwiderstehliche Schlagzeug-Break.

Kein Wunder, denn „Africa“ wurde von Keyboarder und Sänger David Paich gemeinsam mit Drummer Jeff Porcaro komponiert. Der „Rolling Stone“ listete Porcaro 2016 auf Platz 37 der „100 größten Schlagzeuger aller Zeiten“. Angeblich brauchte Paich für die erste Version des Songs nur zehn Minuten. Für den Text, den er alleine schrieb, brauchte er deutlich länger: Sechs Monate soll er daran gearbeitet haben. Sinn ergibt er deswegen nicht.

Die Serengeti neben dem Kilimanjaro 

Er wirkt eher wie eine lose Aneinanderreihung von Assoziationen – und zeugt davon, dass der Texter davor nie in Afrika war. „As sure as Kilimanjaro rises like Olympus above the Serengeti“, heißt es an einer Stelle, dabei ist die Serengeti-Savanne hunderte Kilometer vom Kilimanjaro entfernt. Universal klingt hingegen das „Hurry boy, she's waiting there for you.“ Worauf? Das zu beantworten bleibt den Zuhörern überlassen.

Inspiriert wurden Paich und Porcaro angeblich von einer Unicef-Werbung, die auf den Hunger in Afrika aufmerksam machen sollte (drei Jahre später sollte „Live Aid“ stattfinden). Was er über Afrika wusste, hatte Paich aus der Schule: „Ich ging auf eine katholische Jungenschule, und viele der Lehrer waren als Missionare in Afrika tätig", erklärte Paich einst dem "Guardian" die Entstehung des Textes. „Sie berichteten mir, wie sie die Dorfbewohner segneten, ihre Bibeln, ihre Bücher, ihre Ernten, und wenn es regnete, segneten sie den Regen." Daher also die Hook-Line: „I bless the rains down in Africa."

„Ein weißer Junge versucht, ein Lied über Afrika zu schreiben"

Der bereits verstorbene Porcaro formulierte es einmal deutlich kritischer: „Ein weißer Junge versucht, ein Lied über Afrika zu schreiben,“ so der Schlagzeuger. "Aber da er noch nie dort war, kann er nur erzählen, was er im Fernsehen gesehen hat, oder woran er sich erinnert." Erst in den späten 1990ern besuchen Toto dann den Kontinent und spielen ihren Song in Südafrika – ohne Jeff Porcaro. Mit erst 38 Jahren starb der Drummer 1992. (Der starke Raucher hatte ohne Maske ein Pestizid in seinem Garten in Los Angeles versprüht und daraufhin einen Herzinfarkt erlitten.)

Der Song, den er mitschrieb, lebt weiter – und hat längst ein Eigenleben entwickelt. Lange galt er als uncool, doch durch das 1980er-Revival entdeckten viele ihre Liebe zu „Africa“ (neu). Wer heute durch Video-Plattformen scrollt, findet Hommagen aus den Genres Pop und Alternative über Metal bis Rap und Jazz. Auf Twitter gibt es einen Account, der automatisch alle drei Stunden eine neue Textzeile des Songs veröffentlicht. Die Serien "Scrubs", "South Park" und "Family Guy" bedienten sich des Tracks.

Die Alternative-Rock-Band Weezer nahm erst vor ein paar Jahren – angestachelt von einem Fan – eine Coverversion des Liedes auf. Und selbst die EDM-DJs Skrillex und Diplo beendeten ihre Sets schon mit „Africa“. Der Song hört übrigens mit dem verheißungsvollen Satz auf: „Gonna take some time to do the things we never had“. Passt in/nach Corona eigentlich auch perfekt.