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Netflix-Serie

NS-Gefängnis als Drehort: Heftige Vorwürfe gegen „Stranger Things“

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David Harbour in der vierten Staffel von "Stranger Things"(c) Netflix
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Teile der Serie wurden in einem ehemaligen NS-Gefängnis in Litauen gedreht, das auch zum „Stranger Things“-Themenhotel umfunktioniert werden sollte. Juden und Roma werfen Netflix Bigotterie vor und verlangen eine Entschuldigung.

Mit großem Erfolg veröffentliche Netflix vor Kurzem die vierte Staffel der Mystery-Serie „Stranger Things“. Nun gibt es aber eine Petition gegen die Serie, unterzeichnet von bereits 57.000 Menschen (Stand: Donnerstagvormittag). Der Vorwurf ist heftig: „Stranger Things“ würde die Verbrechen des Holocaust nicht ernst genug nehmen und sogar daran verdienen. Erstellt wurde die Petition auf Change.org von einer Gruppe, die sich „Juden und Roma gegen Bigotterie“ nennt und angibt, aus den USA zu stammen. Sie kritisiert, dass Teile der vierten Staffel in dem ehemaligen Gefängnis Lukiškės in der litauischen Hauptstadt Vilnius gedreht wurden. In der Serie wird die Figur Jim Hopper (David Harbour) dort von Sowjets gefangen gehalten.

Zwischen 1941 und 1944 wurde Lukiškės von den Nationalsozialisten genutzt. Sie schleusten dort Tausende Juden, Roma und politische Gefangene durch. Viele von ihnen wurden bei einem Massaker ermordet: Mehr als 100.000 Menschen wurden in den drei Jahren der NS-Herrschaft über Litauen im Wald von Ponary von den Nazis erschossen. Beteiligt am Verbrechen war auch der österreichische NSDAP-Funktionär Franz Murer, auch „Schlächter von Wilna“ genannt. Beinahe die gesamte jüdische Bevölkerung von Litauen wurde ausgelöscht.

(191220) -- VILNIUS, Dec. 20, 2019 (Xinhua) -- Visitors look at light installations at Alternative Christmas Yard in for
Gedenkveranstaltung im Gefängnis Lukiškės 2019(c) imago images/Xinhua

Die Verfasser der Petition stört weniger, dass „Stranger Things“ in Lukiškės gedreht wurde, als was danach mit dem Gefängnis passierte: Es sollte in ein „Stranger Things“-Themenhotel umgewandelt werden, das von AirBnB hätte betrieben werden sollen. Anfang Juni hätte es aufsperren sollen, öffnete schließlich aber nicht die Pforten. Warum, ist unklar. Es wäre schon fertig eingerichtet gewesen.

Kritisiert wird in der Petition auch das Verhalten der Fans der Serie. Es gebe einige, die sich Nummern auf den Unterarm tätowieren ließen – wie die Figur der Eleven (Millie Bobby Brown). Das würde das Trauma der Holocaust-Überlebenden, denen von den Nazis ebenfalls Nummern eintätowiert wurden, ins Lächerliche ziehen. Der offizielle Instagram-Account von „Stranger Things“ hatte den Tattoos der Serienfans eine Story gewidmet.

Die Petition-Initiatoren „Juden und Roma gegen Bigotterie“ fordern nun eine Entschuldigung von Netflix. Geld, das mit der vierten Staffel verdient wurde, solle den jüdischen und Roma-Gemeinden in Litauen zukommen. Netflix hat sich zur Causa noch nicht geäußert.

>> Zur Petition

(her)