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"Take the flag"

Video von Gespräch zwischen Ludwig und Fake-Klitschko aufgetaucht

APA/EVA MANHART
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Im Juni wurde der Wiener Bürgermeister Opfer eines Scherz-Anrufes zweier russischer Komödianten, die sich als der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko ausgaben.

Es war eine skurrile Geschichte, die Ende Juni durch die Medien ging: Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) ist Opfer eines falschen Vitali Klitschko geworden. Konkret glaubte Ludwig ein Video-Gespräch mit dem Kiewer Bürgermeister geführt zu haben. Es handelte sich dabei aber nicht um den echten Klitschko, sondern um ein sogenanntes Deepfake, hinter dem das russische Comedy-Duo „Vovan und Lexus“ (bürgerlich: Wladimir Krasnow und Alexei Stoljarow) steckte. Nun ist das Video des Streichs aufgetaucht.

Zu Beginn bedankt sich der Fake-Klitschko noch für die Unterstützung der Ukrainerinnen und Ukrainer und fragt den Wiener Bürgermeister, wie viele ukrainische Flüchtlinge sich in der Bundeshauptstadt befinden würden. Aber schon bald will er von Ludwig wissen, warum sich russische Oligarchen, die für den dortigen Präsidenten Wladimir Putin seien, in Österreich verstecken. Der Bürgermeister wirkt verunsichert und meint, dass es sich hierbei nur um eine sehr kleine Anzahl an Personen in Wien handelt.

Oligarchen enteignen? „Nicht mein Zuständigkeitsbereich"

Der Fake-Klitschko schlägt daraufhin vor, diese Menschen zu enteignen. Ludwig antwortet, dass das nicht in seinem Zuständigkeitsbereich liege und dieses Problem auf europäischer Ebene gelöst werden müsse. Der Anrufer wirft ihm daraufhin vor, ein „pro-russischer Bürgermeister“ zu sein. Ludwig reagiert darauf mit Unverständnis und verweist auf die Hilfsaktionen für die Ukraine.

Als Nächstes schlagen die Komiker vor, ein Fest zu Ehren des ukrainischen Nationalisten und Kriegsverbrechers im Zweiten Weltkrieg, Stepan Bandera, in der Wiener Staatsoper zu veranstalten. Dem Wiener Bürgermeister scheint der Name nichts zu sagen. Er verweist auf Veranstaltungen in Wien mit ukrainischen Künstlerinnen und Künstlern, die Solidarität mit dem Land ausdrücken.

„Take the flag"

Der Fake-Klitschko möchte dann auch noch wissen, wie Wien konkret die ukrainische Armee unterstütze. Ludwig erwidert, dass Österreich ein neutrales Land sei und man deshalb keine Waffen liefern könne. Aber man würde Geld und medizinische Güter in das Land schicken.

Je länger das Video dauert, desto bizarrer wird es. Der Fake-Klitschko möchte, dass Ludwig seine Unterstützung für die Ukraine zeigt. Er fordert ihn deshalb auf, in die Luft zu springen und „Slava Ukraini“ (Hoch lebe die Ukraine) zu rufen. Zudem möchte er, dass Ludwig die kleine ukrainische Fahne neben ihm aufhebt. „Take the flag“, fordert er ihn mehrmals auf.

Ludwig kommt diesen Aufforderungen nicht nach und wirkt zunehmend verwirrt. Er rückt nur die ukrainische Flagge zentraler ins Bild. Am Schluss geben die beiden Komiker dann noch einen kleinen Hinweis auf ihre Identität. Sie fordern Ludwig abermals auf, die Fahne hochzuheben und „Slava Vovan and Lexus“ (der Name des Duos) zurufen. Ludwig aber ignoriert das und lädt den Fake-Klitschko stattdessen nach Wien ein.

Video wird näher untersucht

Bei dem Video, das auch mit deutschen Untertiteln online zu finden ist, handle es sich um einen "ganz klaren Zusammenschnitt", sagte ein Sprecher von Bürgermeister Ludwig am Dienstag.

Das Gespräch habe länger gedauert als das rund zehnminütige veröffentlichte Video. Darüber, ob die Aufzeichnung sonst manipuliert worden sei, lässt sich dem Büro Ludwigs zufolge derzeit keine Aussage treffen. Das Material werde näher untersucht, dies sei "Aufgabe der Behörden" und diese seien "mit allen Infos versorgt" worden, hieß es.

Das russische Komiker-Duo führte den Fake-Anruf mit mehreren europäischen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern. Wie schon zuvor bekannt geworden war, fand das Gespräch mit Ludwig in englischer Sprache statt, obwohl der echte Klitschko gut Deutsch spricht.

(APA/schev)