Zwischen den Fronten: Falscher Provider angegriffen

A screen shot of a web browser displaying the WikiLeaks website with a picture of its founder Julian
(c) REUTERS (Pascal Lauener)

EasyDNS wurde beschuldigt, Wikileaks blockiert zu haben und geriet so unter die Räder. Der Firmenchef schildert die Chronologie des Versagens. Inzwischen unterstützt EasyDNS sogar aktiv Wikileaks.

Die Aufregung rund um Wikileaks hat gezeigt, wie wichtig es ist, sich korrekt zu informieren. Allerdings nicht über den teils geheimen Inhalt der 250.000 US-Depeschen, sondern über frei zugängliche Informationen. So geriet etwa ein kanadischer Provider unschuldig unter die Räder, da sein Firmenname offenbar leichter zu merken war. Es geht um EasyDNS, einem Domain-Anbieter, der mit Wikileaks nie etwas zu tun hatte. Ganz anders sieht es mit EveryDNS aus, die die Domain wikileaks.org tatsächlich gesperrt hatten. Allerdings berichtete der erste Sturm der Entrüstung von "EasyDNS legt Wikileaks lahm", und lieferte damit ein unbeteiligtes Unternehmen ans Messer der rachsüchtigen Webgemeinde.

Kampf gegen Windmühlen

EasyDNS-Chef Mark Jeftovic hat die Ereignisse seit Aufkeimen der Affäre im Firmenblog detailliert geschildert. So musste er zahlreiche Medien anschreiben, die einfach ohne die Information zu überprüfen den Namen "EasyDNS" aus einer falsch getippten Twitter-Nachricht als Wikileaks-Blockierer übernommen hatten. Es folgte eine regelrechte Twitter- und E-Mail-Schlacht zwischen EasyDNS, seinen Kunden und zahlreichen Medien. Letztere zeigten sich teilweise recht unkooperativ. Gawker Media, unter anderem für den Technik-Blog Gizmodo verantwortlich, drohte sogar mit einer Negativkampagne, wenn Jeftovic seine Beschwerden nicht einstellt.

Hinwendung zu Wikileaks

Immer wieder griffen Medien, darunter renommierte Unternehmen wie die New York Times oder der Guardian, EasyDNS fälschlicherweise als Wikileaks-Blockierer auf. Firmenchef Jeftovic berichtet von Schlafmangel und verpatzten Familienbesuchen aufgrund derartiger Ärgernisse. Obwohl sein Unternehmen 55.000 Kunden verzeichnen kann, war Wikileaks bisher nicht darunter, das stand fest.

Allerdings war das einmal. Inzwischen ist EasyDNS dazu übergegangen, Namensserver-Dienste für Wikileaks anzubieten. Offenbar ist das aber auch nicht gern gesehen. Jetzt muss Jeftovic sich mit Kundenbeschwerden herumschlagen, die sich darüber echauffieren. Immerhin hat die New York Times eine größere Geschichte über EasyDNS und dessen kürzliche Probleme, an denen sie selbst eine Teilschuld hatte, veröffentlicht.

(db)