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Ukraine-Krieg

Fast 9000 Gefallene: Ukraines Militärchef nennt erstmals Opferzahl

Mass burial of unidentified people killed during Russian invasion in Bucha
Auf einem ukrainischen Friedhof.REUTERS
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Laut General Walerij Saluschnyj seien „beinahe 9000 Helden getötet worden". Details nannte er nicht, zu Opferzahlen gibt es keine sichere Quelle. Es handelt sich diesfalls aber um die erste Nennung seitens der Militärführung.

Seitens der ukrainischen Militärführung ist erstmals seit Beginn des Krieges am 24. Februar eine sozusagen offizielle Gefallenenzahl genannt worden: Laut General Walerij Saluschnyj, seit Vorjahr Chef der Streitkräfte, seien „beinahe 9000 Helden getötet worden“, wie er am Montag bei einer Konferenz über Kriegsopfer, Veteranen und deren Angehörige in Kiew sagte.

Saluschnyj ging indes nicht auf Details ein und führte das auch nicht weiter aus. Er nannte keine Zahl zu Verwundeten und auch nicht, ob die Toten etwa der Grenzwachkräfte, Polizei und Nationalgarde in die 9000 eingeschlossen seien. Allerdings sagte er, dass insgesamt „etwa eine Million Menschen“ im Rahmen der regulären Streitkräfte und anderer Formationen am Kampf um die Heimat beteiligt seien.

Problem der medialen Begriffsverwirrung

Es gibt bisher keine wirklich verlässlichen Quellen in Bezug auf ukrainische und russische Kriegsopfer, zumal leider sowohl offizielle Stellen als auch viele Medien und Nachrichtenagenturen sich häufig in der Begrifflichkeit irren. Der beidesfalls vielbenutzte englische Begriff „casualties" (Opfer, Verluste) wird nämlich gerade im Deutschen gern nur als „Tote", „Gefallene" verstanden, obwohl er im Englischen auch Verwundete, Vermisste und bisweilen Gefangene umfasst. Daher wurden und werden häufig objektiv zu hohe Todeszahlen gemeldet.

In Kriegen gibt es erfahrungsgemäß ein Verhältnis von Gefallenen:Verwundeten von etwa 1:3 bis 1:8. Ist also etwa von „10.000 casualties" die Rede, kann man von etwa 1100 bis 2500 Toten darunter ausgehen. Umgekehrt legt die von Saluschnyj (49) genannte Zahl von fast „9000" Gefallenen nahe, dass man dazu - es geht hier nur um Größenvorstellungen - 27.000 bis 72.000 Verwundete addieren kann.

Bezüglich militärischer Opfer variieren die Angaben jedenfalls stark, wobei Gegner einander naturgemäß gern höhere Opferzahlen unterstellen, als sie wirklich sind. Bezüglich der Ukraine war bisher jedenfalls von etwa 5500 bis mehr als 23.000 Toten die Rede; im Juni nannte ein Präsidentensprecher die Zahl 10.000. Russischerseits soll es 15.000 bis 44.000 Tote gegeben haben.

(Reuters/wg)