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Humanitäres Engagement

Differenzierte Hilfe für Opfer und Täter

Diplomsozialarbeiterin Marina Sorgo.(c) Sorgo
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Die Gewaltschutzzentren Österreich bieten umfassende Betreuung für Betroffene von Gewalt. Marina Sorgo ist Vorsitzende des Bundesverbands.

Eine beengte Wohnung für sie und ihre vier Geschwister, ein Alkoholiker als Stiefvater, ein Jugendamt, das wegschaute, und eine Polizei, die kaum etwas tun konnte, obwohl Gewalt in der Familie an der Tagesordnung war. „Das Thema Gewalt begleitet mich schon seit meiner Teenagerzeit“, sagt Marina Sorgo, die 1962 in Villach geboren wurde, mit 16 von zu Hause auszog und mit 21 die Sozialakademie in Graz abschloss, um ursprünglich Fürsorgerin zu werden. „Bereits damals nahm ich wahr, dass nicht nur die Opfer professionelle Hilfe benötigen, sondern auch die Täter.“ Sorgo, von 1984 bis 1995 im Grazer Frauenhaus tätig, gründete 1995 das erste Gewaltschutzzentrum Österreichs in der Steiermark. Dort ist sie seither Geschäftsführerin und seit 2018 Vorsitzende des Bundesverbands der Gewaltschutzzentren. Sorgo ist in der Kategorie Humanitäres Engagement nominiert.

Gewaltschutzzentren gibt es in jedem Bundesland, manche haben auch regionale Außenstellen. Sie sind gesetzlich anerkannte Opferschutzeinrichtungen und als NGOs organisiert. Hier erhalten Opfer von Gewalt umfassende psychosoziale und juristische Hilfe. Das Angebot richtet sich an Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder. „Ein jeweiliger Auftragsvertrag mit dem Innenministerium und dem Frauenministerium gibt uns finanzielle Absicherung“, sagt Sorgo. „Durch das Justizministerium wird die Prozessbegleitung in Gerichtsverfahren abgegolten.“ Insgesamt wurden von den Gewaltschutzzentren Österreichs bis heute rund 330.000 Personen unterstützt, größtenteils Frauen und ihre Kinder.

Jährlich werden von der Polizei rund 14.000 verhängte Betretungs- und Annäherungsverbote übermittelt. Die Gewaltschutzzentren nehmen dann Kontakt zu den Opfern auf und bieten individuelle Unterstützung an. „Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht die Beendigung von Gewalt, nicht die Aufrechterhaltung oder Beendigung einer Beziehung“, sagt Sorgo. Ihr persönlicher Antrieb, dieser Tätigkeit schon so lang nachzugehen, seien „die Sinnhaftigkeit meiner Arbeit, der direkte Kontakt zu den Menschen und die Weiterentwicklung im Opferschutz. In Kooperation mit anderen Einrichtungen bearbeiten wir das Thema Gewalt in Beziehungen sehr differenziert. Was wir tun und mit welcher Grundhaltung wir das tun, gibt Menschen in Not Sicherheit, Orientierung und Zuversicht.“ Und zu tun gebe es noch genug. Gerade in der Primärprävention wie etwa bindungs- und beziehungsbezogenem Elterntraining, Beteiligungsmöglichkeiten von Frauen im Erwerbsleben und Beteiligungsmöglichkeiten von Männern in der Erziehung. Sorgo: „Wir müssen Eltern möglichst früh unterstützen, damit sie gewaltsame Konfliktlösungsmodelle nicht an ihre Kinder weitergeben.“

Das Voting für „Österreicher:innen des Jahres“ finden Sie unter: www.diepresse.com/austria22