Premium
Quergeschrieben

Im Liegewagen nach Venedig: Keine Traumreise

Elf Stunden zu sechst im engen Zugabteil ist in Pandemiezeiten nicht schlau. Doch was ist schon das individuelle Ansteckungsrisiko gegen die Erderwärmung, oder?

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

>>> Mehr aus der Rubrik „Quergeschrieben“

Zuletzt bewarfen zwei junge Menschen Monets „Getreideschober“ im Museum Barberini in Potsdam mit Püree. Ein paar Tage vorher hatten zwei Klimaaktivistinnen in der Londoner National Gallery Van Goghs „Sonnenblumen“ mit Tomatensuppe bekleckert und sich danach selbst mit Sekundenkleber an die Wand gepickt. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass hyperaktive Kinder der Generation Safe Space, die ihre Wokeness bevorzugt in kulturell aneignungsfreien Räumen zelebrieren, just Museen unsicher machen: also (bisher zumindest) sichere Orte, an denen sich kunstaffine Minderheiten üblicherweise – horribile dictu - Kultur aneignen.

Fliegen ist pfui, das weiß der umweltbewusste Mensch freilich auch ohne gesetzeswidrige Applizierungen von Tomatensuppe und Erdäpfelgatsch auf Weltkunstwerken. Wer kein smartes E-Auto, sondern einen 15 Jahre alten Gebrauchtdiesel fährt, schämt sich still im 19 Grad kühlen Kämmerchen, dämpft die Reiselust mit lauwarmen Duschen. Und stößt beim Herumgoogeln auf Kreislaufwirtschaftsexperten, die sagen, dass ein neuer (E-)Pkw alle zwei Jahre umweltschädlicher ist als ein sorgsam gewarteter Gebrauchtwagen, weil sechzig bis siebzig Prozent der Umweltbilanz eines Autos auf dessen energie- und rohstoffintensive Herstellung entfallen. Oder auf Artikel über den Abbau seltener Erden für E-Autobatterien, der vornehmlich im globalen Süden Wasser vergiftet und Landschaften devastiert.


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.