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Randerscheinung

Midlife-Crisis mit Hund oder Motorrad?

Carolina Frank
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Viele reagieren aufs Älterwerden mit der Anschaffung von Cabrio oder Maschine. Hat man schon eines, ist der Tausch gegen einen Hund eine brauchbare Alternative.

Mitten in meine sich manifestierende Midlife-Crisis hinein (ich habe mir einen gewissen Restoptimismus bewahrt, da ich offenbar damit rechne, 102 Jahre alt zu werden), erreicht mich der Brief einer Leserin, der mir den Rest gibt. Darin steht dann in etwa, früher habe diese Kolumne noch Pep gehabt, ich hätte auch über spannende Dinge (wie mein Motorrad) geschrieben. Aber jetzt erzähle ich immer nur über meine Kinder und den Hund, „was nett ist, aber weit weg von lustig“. Dann die Killerfrage: „Haben wirklich Sie das damals geschrieben?“ Und: „Bitte rufen Sie doch wieder einmal den Motorradfahrer an, er soll etwas schreiben.“

Nun, ich will versuchen, mich von diesem Niederschlag zu erholen und während ich mich aufrapple, Folgendes zu meiner Verteidigung und Erklärung vorzubringen: Dass ich mehr über Hunde als über Motorräder schreibe, mag daran liegen, dass ich einen Hund, aber kein Motorrad mehr habe. Das ist vielleicht atypisch, denn viele reagieren aufs Älterwerden mit der Anschaffung von Cabrio oder Maschine, hat man schon eines, ist der Tausch gegen einen Hund eine brauchbare Alternative. Kann ich nur wärmstens empfehlen! Viel weitreichender ist freilich die Frage, ob wirklich ich das gewesen sei, der das damals geschrieben habe. Nein, natürlich nicht. Wäre ja traurig, wenn sich seitdem Ich-technisch nichts bewegt hätte.

Die Veränderung muss man freilich nicht mögen. Und außerdem gehe ich sogar unbekannterweise so weit zu sagen: Auch die Leserinnenbriefschreiberin kann nicht mehr dieselbe sein. Oder anders: So wie damals kommen wir nicht mehr zusammen. Vielleicht ist das schade oder auch ein Glück. Danke jedenfalls für den Hinweis: Ich werde mich hier um Abwechslung bemühen. Und ums „lustig“ natürlich auch.

("Die Presse Schaufenster" vom 28.10.22)