Stefan Embacher ist Mitgründer der Kryptoforensik-Firma Foreus. Er erzählt, wie er Kriminelle im Netz findet, wie er Geld aus dem Ausland wiederbeschafft und warum es keine gute Idee ist, mit seinem Bitcoin-Vermögen zu prahlen.
Die Presse: Kryptowährungen wird oft nachgesagt, dass Kriminelle sie gern benutzen. Aber kann man damit überhaupt das perfekte Verbrechen begehen?
Stefan Embacher: Auf jeden Fall, weil die Strafverfolgung und die Politik so weit hinten sind. Krypto ist ein internationales Bezahlungsmittel, aber internationale Rechtsmittelgesuche greifen oft nicht. Was die technische Umsetzung betrifft, gibt es das perfekte Verbrechen theoretisch auch: Man kann als Täter seine Identität so gut verschleiern, dass die Rückverfolgbarkeit nicht mehr gegeben ist. Man muss aber dazusagen, dass diejenigen, die betrügen oder hacken, nicht die Hellsten sind und immer wieder Fehler machen.
Welche Fehler machen sie?
Zum Beispiel hat jemand die gleiche E-Mail-Adresse, mit der er bei einer Erpressung kommuniziert hat, auch für seinen Facebook-Account verwendet. Auch bei Phishing-Mails oder Anrufen kann man mit Open-Source-Intelligence, das ist Informationsbeschaffung aus öffentlich zugänglichen Quellen im Netz, viel herausfinden. Jeder hinterlässt Spuren, und wenn ein Täter da nicht vorsichtig genug ist, können wir ihn oft visualisieren.