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Randerscheinung

"Triff gute Entscheidungen"

Carolina Frank
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Als Eltern will man natürlich immer irgendwie ein vorsichtiges Kind, aber gleichzeitig will man natürlich nichts weniger als ein vorsichtiges Kind: sondern ein neugieriges, freies, ausgelassenes, fröhliches, mutiges, dem ganz viel „passiert“, aber nur ja nichts zustößt.

Der Jüngste schlurft mit Riesenschulrucksack etwas gebückt zur Tür. Er hat heute erste Englisch-Schularbeit bei der „neuen“ Lehrerin. Die ist zwar freundlich und gut, aber sie verlangt viel mehr als der Vorgänger, darum ist die Stimmung derzeit eher gedrückt. Ich drücke auch, küsse ihn (durch die Haare strubbeln ist in der Früh verboten) und sage: „Triff gute Entscheidungen!“ Und er muss lachen, als er schließlich davon stapft.

Diesen Witz muss ich kurz erklären: „Make good decisions“, das habe ich neulich in irgendeiner Serie gehört, und es hat mir gleich gefallen. Und seither gebe ich dem Buben diese Worte als Wegzehrung mit, wenn er etwas allein unternimmt, mit Freunden unterwegs ist, nach Wien hineinfährt oder sonst etwas, wo man sich als Eltern – auch – sorgt. Ist also natürlich nicht für etwas so Ungefährliches wie Schularbeiten gedacht. Dort kann es aber freilich auch nicht schaden, seine Entscheidungen sorgfältig abzuwägen. Bisher hab ich gesagt „Pass auf dich auf!“, was ja im Prinzip dasselbe meint, aber stärker in Richtung „Sei vorsichtig“ geht. Und als Eltern will man natürlich immer irgendwie ein vorsichtiges Kind, weil die schlimmste Vorstellung ist ja, dass etwas passiert.

Aber gleichzeitig will man natürlich nichts weniger als ein vorsichtiges Kind: sondern ein neugieriges, freies, ausgelassenes, fröhliches, mutiges Kind, dem ganz viel „passiert“, aber nur ja nichts zustößt. Wer aber gute Entscheidungen trifft, tut das, was er tut, aus freien Stücken und wohlüberlegt. Im besten Fall. Die Englisch-Schularbeit war dann übrigens wirklich ziemlich schwierig. Daran konnten mein Rat zum Abschied auch nichts ändern. Vielleicht schwenke ich ja um auf: „Setz die Haube auf!“ Im Winter immer eine gute Entscheidung.

("Die Presse Schaufenster" vom 18.11..22)