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Pflege

„Die Kompetenzen müssen erweitert werden“

Direkt am Patientenbett ist meist das Pflegepersonal tätig. Dieses wird in Zukunft noch weiter spezialisiert sein.
Direkt am Patientenbett ist meist das Pflegepersonal tätig. Dieses wird in Zukunft noch weiter spezialisiert sein.FH Campus Wien
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Seit September 2022 bekommen Studierende für Gesundheits- und Krankenpflege ein monatliches „Gehalt“ des Bildungsträgers. Ab dem kommenden Jahr werden einschlägige Studien nur mehr an Fachhochschulen durchgeführt.

Mindestens 600 Euro monatlich können Studierende für Gesundheits- und Krankenpflege beantragen. Das sieht das im Juli verabschiedete Pflegeausbildung-Zweckzuschussgesetz vor, das den elf Fachhochschulen mit einschlägigem Angebot die Mittel zur Verfügung stellt. Ab 2024 sind die FH die alleinigen Einrichtungen, die Gesundheits- und Pflegepersonal ausbilden werden. Einen besonderen Andrang wegen des finanziellen Anreizes spüren die wenigsten. „Wir können einen Anstieg der Inskribierendenzahlen nicht beobachten. Doch für mich ist diese Entlohnung ein richtiger Schritt angesichts der 2300 Praktikumsstunden, die Studierende zu absolvieren haben“, sagt Babette Grabner, Studiengangsleiterin an der FH Salzburg.

Das Vollzeitstudium mit einem hohen Anteil an Praxis ermögliche nur sehr eingeschränkte Jobmöglichkeiten während des Studiums, sagt Roswitha Engel, Studiengangsleiterin an der FH Campus Wien: „Vereinzelt werden finanzielle Gründe als Austrittsgründe genannt. Daher hat ein zusätzliches Einkommen existenzielle Bedeutung. Wir bemerken bei den Bewerbungen derzeit eine Steigerung und führen diese auf die Ausbildungsprämie zurück.“ Diese Maßnahme setze ein Zeichen der Wertschätzung dem Pflegeberuf gegenüber, meint Eva Mircic, Studiengangsleiterin an der FH Joanneum: „Die Auswirkungen dieser finanziellen Unterstützung auf die Bewerbungen sind derzeit noch nicht abschätzbar, da die Maßnahme zu spät gesetzt wurde. Erkennbar wird dies erst nächstes Jahr sein.“

Spezialisierungen möglich

Auch wenn die Studienpläne für Gesundheits- und Krankenpflege in Österreich einheitlich geregelt sind, gelingt es den Fachhochschulen, Schwerpunkte zu setzen. An der FH Campus Wien etwa findet eine inhaltliche Ausdifferenzierung vor allem im Masterstudium statt. „Hier werden Programme für das Pflegemanagement, für Pflegeberatung, für die Lehrtätigkeit im Gesundheitswesen oder für Gesundheitsförderung und Prävention angeboten“, sagt Engel. An der FH Joanneum liegt ein Fokus auf der Simulation in der Pflege: „Im Simulationszentrum des Instituts für Gesundheits- und Krankenpflege werden die Studierenden mithilfe von High-Fidelity-Simulatoren auf die Praxis vorbereitet. In diesem realitätsnahen und geschützten Raum können alle pflegerischen Kompetenzen geübt werden“, erklärt Mircic. Zudem kann man sich an der Joanneum Academy zum akademischen Experten in psychiatrischer Gesundheits- und Krankenpflege oder in der Kinder- und Jugendpflege fortbilden.

Beide Themen bietet die FH Salzburg ebenso an, man kann sich auch bereits während des Bachelorstudiums spezialisieren. „Ab dem laufenden Studienjahr bieten wir Vertiefungen an, etwa für Pflege im Akutbereich, geriatrische Pflege oder Kinder- und Jugendlichenpflege“, so Grabner. Wer den akademischen Lehrgang anschließen möchte, kann Aufgaben in der Pflege von Neu- und Frühgeborenen, Kindern und Jugendlichen übernehmen. Und wer sich auf psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege spezialisieren will, lernt neben psychiatrischen Krankheitsbildern pflegetherapeutische Konzepte und Modelle kennen. Die Lehrgänge werden – wie auch an der FH Joanneum – berufsbegleitend angeboten. Auch die FH Campus Wien bildet akademische Experten in den angewandten Gesundheitswissenschaften aus. Neben den angesprochenen Lehrgängen wird in Wien – ebenfalls berufsbegleitend – Expertise in Praxismentoring, Primary Health Care Nursing und Public Health vermittelt. Eine Erweiterung des Berufsspektrums ist für Engel zukünftig unabdingbar: „Das Berufsbild wird sich in Anlehnung an europäische Standards erweitern müssen. Neue Profile wie Community-, School- und Public-Health-Nurses sowie Pflegeexperten für definierte Bereiche wie Onkologie oder Schmerzmanagement sowie Gesundheitsberater werden sich etablieren.“

Politik gefragt

Dafür müsse man die Politik ins Boot holen, ist Mircic überzeugt: „Die Entwicklung der Pflege ist in hohem Maße abhängig von politischen Entscheidungen und davon, ob die Berufsgruppe in diese Entscheidungen miteinbezogen wird.“ Wünschenswert sei, bestehende Kompetenzen zu erweitern, „vor allem, was die Versorgung direkt am Patienten angeht. Denn dort ist vorrangig das Pflegepersonal tätig“, sagt Grabner. Mircic ergänzt: „In der Pflege werden künftig Personen mit unterschiedlichsten Ausbildungen und Spezialisierungen tätig sein. Zugleich werden Erkenntnisse aus der Pflegeforschung vermehrt in der Praxis umgesetzt werden. Beides sind essenzielle Schlüssel für die Verbesserung der Personalsituation.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2022)