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Niger: Franzosen entführt und getötet

Niger Franzosen entfuehrt getoetet
niamey(c) AP (Djibo Tagaza)
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Eine islamistische Gruppierung kidnappte zwei Franzosen aus einem Restaurant: Der eine wollte heiraten, der zweite war als Trauzeuge gerade angereist. Nach einer Verfolgungsjagd endete die Entführung blutig.

Paris. Die Entführung von zwei jungen Franzosen aus einem Restaurant in Niamey, der Hauptstadt Nigers, endete am Samstag nach einer Verfolgungsjagd blutig: Das bestätigte gestern, Sonntag, in Paris das französische Verteidigungsministerium mit einer nüchternen Stellungnahme.

Die tragische Geschichte begann am Freitagabend in einem bisher als sicher geltenden Viertel von Niamey, wo im von Europäern oft besuchten Restaurant „Le Toulousain“ die beiden 25-jährigen Franzosen Antoine de Léocour und Vincent Delory saßen. Die beiden waren zusammen im französischen Städtchen Linselles aufgewachsen. Vincent war kurz zuvor in Niamey eingetroffen, um seinen in Afrika lebenden Jugendfreund zu besuchen. Er sollte am kommenden Samstag Trauzeuge bei Antoines Hochzeit mit dessen nigrischen Freundin Rakia sein. Im Unterschied zu Vincent kannte Antoine Afrika gut: Er war seit 2008 für die deutsche Hilfsorganisation Help tätig.

 

Blutige Befreiungsaktion

Doch das interessierte die vier schwer bewaffneten und mit Turbanen verhüllten Männer nicht, die gegen 23 Uhr ins Restaurant stürmten. Die beiden Franzosen leisteten ihnen vergeblich Widerstand und wurden in ein Fahrzeug gezerrt und entführt. Dem Personal zufolge verständigten sich die Entführer untereinander auf Arabisch, sprachen aber auch Französisch und einen einheimischen Dialekt. Die sofort alarmierten nigrischen Behörden organisierten die Verfolgung. Gegen drei Uhr früh wurde das Auto der Entführer von einer Patrouille das erste Mal aufgespürt. Ein Offizier der Nationalgarde wurde dabei durch Schüsse verletzt. In einer zweiten Operation entdeckte ein französisches Aufklärungsflugzeug vom Typ Atlantic-2 im Morgengrauen die Kidnapper im Grenzgebiet zu Mali. Die Entführer dürften die beiden Geiseln exekutiert haben, als es zum Schusswechsel kam. Mehrere Entführer wurden getötet, zwei französische Soldaten verletzt.

Vermutlich ist die Gruppe „al-Qaida im Maghreb“ für die Entführung verantwortlich. Sie fordert den Abzug der französischen Soldaten aus Afghanistan. Dieselbe Gruppierung hatte erst Mitte September zwei Angestellte einer französischen Firma gekidnappt.

Das Pariser Außenministerium rät von Reisen in Teile von Mauretanien, Mali, Niger und Algerien ab.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2011)