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Worte der Woche

Speichern von CO2

Um die Klimaziele zu erreichen, müssen auch das Abscheiden und Speichern von CO2 forciert werden. Bisher ein Randthema – nun kommt aber Bewegung in die Sache.

Höhere Energieeffizienz und der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Ressourcen sind wesentlich, um im Klimaschutz voranzukommen. Aber das reicht nicht aus: In praktisch allen Klimaszenarien zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf zwei Grad spielen die Abscheidung und dauerhafte Speicherung von CO2 in geleerten Erdgasfeldern oder anderen passenden geologischen Strukturen eine große Rolle – in der Fachsprache nennt man dies „Carbon Capture and Storage“ (CCS).

Das weiß man seit zumindest 15 Jahren. Aber geschehen ist noch wenig. Wie in der kürzlich veröffentlichten Studie „The State of Carbon Dioxide Removal“ (www.stateofcdr.org) festgehalten wird, müsste 2030 ca. 30 Mal mehr CO2 dem Kohlenstoffkreislauf entnommen werden als derzeit. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Internationale Energieagentur (IEA) im Bericht „Energy Technology Perspectives 2023“ (www.iea.org). Aktuell gibt es weltweit nur sieben Projekte, bei denen CO2 für den Klimaschutz in den Untergrund eingepresst wird. Dass dies machbar und sicher ist, weiß man seit Jahrzehnten aus den Methoden der Enhanced Oil Recovery (EOR), mit denen die Ausbeute von Ölfeldern durch Einleiten von CO2 gesteigert wird.

Beim Ausbau von CCS gibt es zwei große Schwierigkeiten: Zum einen ist das Abtrennen von CO2 aus Abgasen oder aus der Luft aufwendig. Zum anderen fällt CO2 typischerweise nicht dort an, wo es Speichermöglichkeiten gibt. Daher muss eine entsprechende Infrastruktur geschaffen werden. In kleinerem Maßstab ist der Transport von verflüssigtem CO2 mit Schiffen möglich. Im großen Maßstab braucht es aber Pipelines, durch die komprimiertes Kohlendioxid kostengünstig über große Strecken geleitet werden kann. Laut Schätzungen der IEA-Experten müssen – gemäß den Mengengerüsten aus den Klimaszenarien – mindestens 30.000 Kilometer CO2-Pipelines bis 2030 (und 100.000 bis 600.000 Kilometer bis 2050) gebaut werden. Eine Riesenaufgabe.

Nun scheint jedenfalls Bewegung in die Sache zu kommen. So sorgte kürzlich ein Zementkonzern für Schlagzeilen, der ab 2024 im großen Stil Kohlendioxid aus der Produktion abscheiden und unter der Nord- bzw. Ostsee speichern will. Insbesondere Norwegen sieht in CCS ein lukratives Geschäftsmodell – und CO2-intensive Unternehmen aus vielen Staaten, v. a. aus Deutschland, stehen laut Medienberichten bereits Schlange . . .


Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Wissenschaftskommunikator am AIT.

meinung@diepresse.com

www.diepresse.com/wortderwoche

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2023)