Morgenglosse

Opernball: Wenn Ludwig Lugner Konkurrenz macht

Die Generalprobe am Mittwochabend.
Die Generalprobe am Mittwochabend. (c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
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Wer kann, schmückt sich mit Orden. Wer mehr kann, auch mit einem Logengast. Von der Kunst der Kommunikation.

Man kann nicht nicht kommunizieren, postulierte schon Paul Watzlawik. Und es gibt viele Möglichkeiten, Botschaften zu senden. Auf Volksfesten kann mit der Position der Schleife am Dirndl der Beziehungsstatus kommuniziert werden (wobei: welche steht für „Es ist kompliziert“?). Auf dem politischen Parkett brachte es Ex-US-Außenministerin Madeleine Albright mit ihrer Broschen-Diplomatie zu Ruhm: Biene oder Friedenstaube? Engel oder Schlange?

Auf dem Opernball sind die Möglichkeiten angesichts des strengen Dresscode-Korsetts eingeschränkt – und trotzdem mannigfaltig. Schlichte oder ausladende Robe? Einheimische Maßarbeit oder internationaler Designer? Neu oder getragen? Gar ein Frack für die Dame (oder, bisher noch selten, ein Kleid für den Herrn?)

Wer kann, schmückt sich mit Orden. Wer mehr kann, auch mit einem Logengast. Da gibt es natürlich verschiedene Varianten, je nach Ziel: Aufmerksamkeit. Skandal. Geschäft. Diplomatie. Seht her, wer meine Freunde sind. Mehr als die Kleidung erzählen diese Gäste im Rückblick von der Zeit und vom Zeitgeist. Bundespräsident Alexander Van der Bellen etwa wählte im Jahr 2019 den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Seinem Gast habe der Ball sehr gut gefallen und sie hätten gute Gespräche geführt, rapportierte Van der Bellen aus der Präsidentenloge. "Wir haben gewissermaßen Zuneigung zueinander gefasst." Zwei Monate später verlor Poroschenko haushoch gegen einen gewissen Wolodymyr Selenskij. Heute erscheint all das lange her.

Lugners und Ludwigs Einladungssymbolik

2023 verzichtet Van der Bellen ganz auf einen Gast. Nicht so Richard Lugner. Der intendiert auch mit 90 zwar selten mehr an Botschaft, als dass man ihn und sein Einkaufszentrum nicht vergessen möge, aber holte sich mit der 85-jährigen Klimaaktivistin Jane Fonda dafür (wohl eher zufällig) eine erstaunlich zeitgeistige Begleitung, die mit „Grace and Frankie“ auch den längstlaufenden Netflix-Serienerfolg verbucht: Mit dem Plot zweier konträrer Über-Siebzigjähriger, die gemeinsam in einem Strandhaus ihr Leben neu erfinden, nachdem sich ihre Anwaltsgatten nach 40 Jahren heterosexueller Ehe gegenseitig das Ja-Wort gaben. Eine Serie mit Witz und Esprit, wie man sie im ORF eher nicht zu sehen bekommt.

Apropos: Auch Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig kommt ja mit einem Gast: Ex-Generalintendant Alexander Wrabetz. Der ist auch Präsident von Rapid Wien und - Achtung, hier kommt der künstlerische Zusammenhang, wie die APA betonte - auch Aufsichtsratspräsident der Wiener Symphoniker. Eine Funktion, die wohl eher nicht so ausschlaggebend war. Dass SPÖ-Chefs qua Maiaufmarsch mit roten Nelken aus dem Amt gejagt werden, das hatten wir schon. Aber womöglich durch Einladungssymbolik auf dem Opernball? Das wäre neu.


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