Randerscheinung

Ikea oder Skilift?

Carolina Frank
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Ich war in den Ferien drei Mal hintereinander bei Ikea. Und Ihre Ferien?

Nach den Ferien gehört es sich, über sein schönstes Erlebnis zu berichten. Gut, also ich war drei Mal hintereinander bei Ikea. Wir sind hingefahren, weil wir wegen eines niedrigen Kastels schauen wollten. Maximal 130 Zentimeter breit, besser nur 120, maximal 60 Zentimeter tief, besser nur 50. Und nicht höher als 45 Zentimeter. Bei Ikea ist es zugegangen wie am Skilift. Und, das muss ich gleich dazusagen, ich bin kein typischer Ikea-Mann, wie er zur Stammbesetzung im bemühten Kabarett gehört. Ich gehe gern zu Ikea. Allerdings eher ziel­gerichtet.

Muss ich alle Artikel aus dem Sortiment einzeln angreifen (oder zuschauen, wie sie einzeln ­angegriffen werden), bin ich bald sehr müde. Jedenfalls war das angepeilte Regal nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben, ein anderes schon, aber dafür mussten wir noch einmal ­nachmessen. Gekauft haben wir eine Geschirrspülbürste mit Saugnapf, einen Polster mit buntem Überzug, eine kleine Topfpflanze und Schokolade. Von den circa 36 Stück Selbstbedienungskassen werden übrigens nur zwölf gleichzeitig aufgesperrt. Wohl, um das Einkaufserlebnis zu verlängern. Am nächsten Tag sind wir wiedergekommen und haben das Kastel nicht mehr schön gefunden und sind übereingekommen, dass dort, wo es stehen sollte, besser gar nichts steht.

Bei der Kassa, wir haben noch eine Packung Teelichter, 100 Stück Servietten, zwei Glühbirnen und einen rosa Badezimmervorleger gekauft, ist dann eine rote Holzbank für den Garten gestanden. Die hat uns auf Anhieb gefallen, nur mussten wir auf der ­Terrasse zu Hause noch etwas dazu abmessen. Wir haben jetzt nach einem weiteren Besuch für den kuscheligen Februar eine Outdoorbank, kein Kastel und viele nützliche Kleinigkeiten. Und Ihre Ferien?

("Die Presse Schaufenster" vom 17.02.23)


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