Die Frauenbilder der Politikerinnen

Frauenbilder Politikerinnen
Rosenkranz(c) FABRY Clemens

Sie prägen ihre Parteien und die Öffentlichkeit, vor allem die weibliche: Dominant oder im Schatten, Karriere- oder mütterlicher Typ: Wofür stehen die Spitzenrepräsentantinnen der fünf Parlamentsparteien?

Spitzenpolitikerinnen sind Role Models, stehen mit Karriere und Kindern im Rampenlicht – von der zehnfachen Mutter als Hausfrau bis zur Karrierefrau mit dem Weg in die obersten akademischen Zirkel. Laura Rudas (SPÖ), Beatrix Karl (ÖVP), Barbara Rosenkranz (FPÖ), Eva Glawischnig (Grüne), Ursula Haubner (BZÖ): Was ist ihr eigenes Frauenbild? Und welches empfehlen sie? „Die Presse am Sonntag“ fragte nach.

Karl - "Sehr zielorientiert für den Karriereweg"

Beatrix Karl, 43, erinnert sich: „Über Familie habe ich früher eigentlich wenig nachgedacht. Ich habe mich sehr zielorientiert für den Karriereweg entschieden.“ Die Wahl solle auch jede andere Frau haben: Kind oder Karriere– oder beides? Das müsse „möglich sein, in allen Bereichen“, sagt die ÖVP-Wissenschaftsministerin mit der steilen akademischen Karriere; sie war die zweite Frau, die sich in Österreich im Arbeitsrecht habilitierte. „Jetzt fördere ich Frauen in meinem Ressort, und ich ermutige die Unis, Professorinnen und Rektorinnen zu bestellen.“ Denn in der Wissenschaft sei es oft noch ein „sehr männerlastiges Umfeld“. Netzwerke bilden könnten und sollten sich Frauen noch (besser) von den Männern abschauen. Die würden es Frauen häufig noch schwer machen, „obwohl sie bestens qualifiziert sind“. Solche Beobachtungen hätten sie geprägt.

Sie selbst habe in der Großfamilie mit elf Personen ein „sehr selbstbewusstes Frauenbild“ vorgelebt bekommen: „Oma, Mama und Tante waren schon tonangebend.“ So habe sie sich auch selbst zugetraut, stark aufzutreten und etwas auf die Beine zu stellen. Ob es auch noch eine eigene Familie wird? „Wer weiß, was noch kommt.“

Rudas - "Karrierechancen für jede Frau"

Laura Rudas, 29, weiblich, ledig, jung – ihren Aufstieg zur jüngsten Bundesgeschäftsführerin der SPÖ hat das beflügelt, und die Etiketten stören sie auch nicht. Nur auf „die Hübsche“ an der Schaltstelle der Partei reduziert zu werden, lehnt sie ab: Keiner, der sie kenne, täte das – auch nicht Männer. „Ich umgebe mich lieber mit Gleichberechtigten.“ Vor allem auch mit Frauen wie Wiens Vizebürgermeisterin Renate Brauner. Die hätten sie gefördert. Nun sei sie selbst dran, Genossinnen zu fördern, sagt Rudas. „Natürlich bin ich Feministin, das waren schon meine Großmutter und Mutter.“

Mit dem Bruder durfte sie Fußball spielen, mit den Schulkollegen zuerst nicht. Mit zwölf war Rudas dann das einzige Mädchen im Schulteam, „das war hart, aber prägend“. Ein Jahr später waren es bereits fünf Mädchen.

„Lonely fighter“ zu sein ist ihre Sache nicht. Kanzler Werner Faymann stützt sie zur Gänze; „als Bundesgeschäftsführerin vertrete ich die SPÖ-Linie“. Loyalität statt Revolution – das stärkt die Karriere. „Jeder Frau sollten alle Karrieremöglichkeiten offenstehen.“ Nächstes Projekt: Die Quote von 40 Prozent in der SPÖ zu verwirklichen. „Mit den Männern gemeinsam.“

Haubner - "Frauen brauchen Wahlfreiheit"

Ursula Haubner, 65, ist gerne Mutter, gerne Oma – und gerne Politikerin. Schon früher, mit zwei kleinen Töchtern, war sie auch gerne berufstätig: als Lehrerin für Kochen und Handarbeit. Ihre Mutter Dorothea, heute 92, habe ihr das Bild der berufstätigen Mutter – als Lehrerin im zweiten Bildungsweg – vorgelebt. „Sie war und ist eine hervorragende Mutter und eine starke Frau.“ Dass Haubner selbst neben der Familie arbeiten konnte, verdanke sie ihrem Mann Klaus, der sich der „Elternverantwortung“ in der Kindererziehung gestellt habe: „Es ist nicht nur eine Frauensache“; dieses Bewusstsein will die BZÖ-Chefin Oberösterreichs und Nationalratsabgeordnete auch in ihrer (Frauen-)Politik schärfen. Und als Mentorin speziell Kommunalpolitikerinnen, ob Mütter oder nicht, fördern.

Dass die Politikerin Haubner meist im Schatten des kleineren Bruders, Jörg Haider, stand, stört sie nicht: Das Verhältnis sei gut gewesen; sie stützte ihn. Nur zwei Frauen unter den 17 BZÖ-Mandataren sind für Haubner heute nicht genug. Von Quoten hält sie aber nichts. Auch nicht in der Wirtschaft: „Was, wenn Frauen gar nicht Spitzen-Technikerinnen werden wollen?“ Frauen bräuchten Wahlfreiheit.

Glawischnig - "Kinder während Tobjobs bekommen"

Eva Glawischnig, 42, gefällt, was Parteikollege Werner Kogler einmal über ihren Nachwuchs gesagt hat: „No problem Baby.“ Die Grünen-Chefin schätzt, dass es in ihrer Partei selbstverständlich gewesen sei, dass sie zuerst als Nationalratspräsidentin, dann als Bundesvorsitzende Mutter geworden ist – und zwar, ohne den Job aufzugeben. „Als Frau in Topjobs Kinder bekommen zu können“ sei für sie die (familien-)politische Messlatte. Mit ihrem Mann zwei Söhne zu haben – und gemeinsam zu erziehen –, gehört für sie dazu. Jede Partei, Firma, Behörde solle glatte Karrieren von Frauen – ob mit Kindern oder ohne – ermöglichen: damit Frauen die Wahl haben.

Hätte sie es in ihrer Jugend nicht anders beobachtet, wer weiß, ob sie je in die Politik („für mich ist es natürlich auch Frauenpolitik“) gegangen wäre: Die weiblichen Bediensteten im elterlichen Gasthaus durften nämlich nicht Auto fahren oder Kurse besuchen, weil es ihre Männer verboten. „Es war ein sehr patriarchales Umfeld“, sagt Glawischnig über ihre Heimat Oberkärnten. Mit Machos habe sie auch heute noch zu tun. Ihr Gegenrezept? Vor allem auch Frauensolidarität. Die vermisse sie noch – von anderen Parteien.

Rosenkranz - "Jede Frau sollte Zeit für Familie haben"

Barbara Rosenkranz, 52, ist sich sicher: Zeit für Kinder müsse sich „in der Biografie jeder Frau ausgehen“. Familie zu haben sei „unglaublich erfüllend“. Einen Widerspruch zwischen der Mutterrolle und einer weiblichen Karriere „gibt es doch nicht“, sagt die FPÖ-Landespolitikerin und Präsidentschaftskandidatin ihrer Partei 2010. Als ihren (Zivil-)Beruf gibt Rosenkranz immer noch Hausfrau an. „Ich finde es eigenartig, dass das abwertend gesehen wird“, sagt Rosenkranz, die Mutter von sechs Töchtern und vier Söhnen ist. „Ich war gern jahrelang zu Hause.“ Dann der Rollentausch im Hause Rosenkranz: Mann Horst übernahm zugunsten der Polit-Karriere seiner Frau die Regie bei Erziehung und Haushalt. „Gulaschkanone statt verzierter Törtchen“, sagt Barbara Rosenkranz dazu: „Einige Klischees erfüllen wir schon.“ Die Söhne gingen eher Holz hacken, die Töchter eher „Holz schlichten“.

Was sie ihren Töchtern und anderen jungen Frauen für die Zukunft rät? „Schule, Studium und sich gegen Konkurrenz durchsetzen, auch gegen Männer, ob in Politik oder Wirtschaft.“ Frauen bräuchten aber Selbstbestimmung, nicht Quoten oder sonstige „Bevormundungen“ durch den Staat.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2011)