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Derby-Skandal: Brauner will "300 Jahre Stadionverbot"

Edlinger, Prammer und Brauner waren beim Derby vor Ort
(c) GEPA pictures (Gepa Pictures/ Walter Luger)
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Die Wiener Vizebürgermeisterin Renate Brauner fordert harte Konsequenzen für die randalierenden Rapid-Fans. Auch die Innenministerin will durchgreifen: "Das Verhalten war völlig inakzeptabel".

Im Wiener Rathaus sind die Ausschreitungen hunderter Rapid-Fans im Derby gegen die Austria scharf verurteilt worden. "Gestern habe ich schreckliche Momente erlebt. Mir fehlen die Worte", sagte Vizebürgermeisterin Renate Brauner (SPÖ). Brauner sitzt im Rapid-Kuratorium und hat den Eklat selbst im Hanappi-Stadion miterlebt. Sie fordert nun harte Konsequenzen für die Randalierer.

Diese hätten am Fußballplatz "nichts verloren", befand sie. Brauner sprach sich für ein Stadionverbot für die Verantwortlichen aus - für "300 Jahre", wie sie meinte. Wobei es sich bei den betreffenden Personen um Menschen handle, "die keine Fans sind", zeigte sie sich überzeugt. Die Aktion sei jedenfalls aufs Schärfste zu verurteilen: "Gewalt hat am Fußballplatz nichts verloren."

Brauner nahm jedoch auch den Verein in die Pflicht: "Man muss jetzt die Fanpolitik kritisch hinterfragen." Dass bereits Konsequenzen angekündigt wurden, begrüßte sie. "Rudi Edlinger muss jetzt voll unterstützt werden", rief sie dazu auf, dem Rapid-Präsidenten in dieser Sache beizustehen.

Wiens Sportstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) bezeichnete die Gewaltakte als "nicht zu tolerieren". "Hier gehören rasch Maßnahmen gesetzt", was eine maßgebliche Sache der Vereinsführung sei, appellierte Oxonitsch an die Rapid-Leitung. Es müsse hier ein Interesse an funktionierenden Fan-Strukturen bestehen. Bisherige Aussagen nach den gestrigen Zwischenfällen würden auf diesbezügliche Maßnahmen hindeuten, zeigte er sich optimistisch.

Die Stadt selbst habe hier keinen Einfluss, werde aber mittels Appelle entsprechende Schritte einfordern, versicherte der Ressortchef am Montag. Fußballveranstaltungen müssten weiterhin familien- und kindertauglich sein: "Das darf sich unter dem Einfluss von ein paar Wahnsinnigen nicht ändern."

Innenministerin fordert Konsequenzen

Für Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) ist das Verhalten der Rapid-Anhänger "völlig inakzeptabel". Am Montag meinte sie: "Es muss Konsequenzen geben." Ziel sei es, dass in Zukunft normale Fußballfans und Familien ohne Belästigung und Gefährdung durch Störenfriede die Spiele genießen können.

Sie habe an den Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit den Auftrag erteilt, mit den Vereinen und der Bundesliga gemeinsam geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um Ausschreitungen aus den Stadien zu verbannen, so Mikl-Leitner. Dabei sagte sie: "Unser Vorbild ist England."

Nach mehreren schweren Katastrophen - Stichwort Hillsborough, Heysel-Stadion - hatten die Briten Anfang der 1990er Jahre mit rigorosen Maßnahmen wie Stadionverboten, massiver Videoüberwachung und drakonischen gesetzlichen Maßnahmen reagiert und damit in der Premier League die Gewalt aus den Stadien verbannt. Experten betonen allerdings, dass die Gewalt nicht weg sei, sondern sich nur in die unteren Ligen verlagert habe.

Mikl-Leitner: "Stadionverbote sind wichtig"

Mikl-Leitner betonte unter anderem, dass die Maßnahme des Stadionverbotes wichtig ist. Bei der von Experten immer wieder kritisierten Durchsetzung dieser Verbote verwies die Ministerin auf die Zuständigkeit der Vereine. Hier Verbesserungen zu erreichen, werde Teil der Gespräche mit der Bundesliga und den Klubs sein. Allerdings hält man im Innenministerium dem Vernehmen nach wenig von der Verhängung von Stadionverboten als behördliche Maßnahme. In England beispielsweise kann die Exekutive von sich aus solche Maßnahmen anordnen.

Die Innenministerin äußerte sich auch zu möglichen Gesetzesänderungen. "Das muss man sich ansehen, wo man hier an den Schrauben drehen kann und welche Maßnahmen auch sinnvoll sind." Konkret erwähnte sie hier die Bestimmungen zur Pyrotechnik bei Großveranstaltungen: Diese ist seit Jänner 2010 verboten. Allerdings kann auch das neue, verschärfte Verbot in Ausnahmefällen - etwa bei besonders wichtigen Spielen - aufgehoben werden, sollte die Sicherheitsbehörde (Polizei oder Bezirkshauptmannschaft) einen dementsprechenden Antrag genehmigen. Eine diesbezügliche Genehmigung hatte laut Wiener Polizei beim Derby bestanden.

Praktische Auswirkungen hatten die Bestimmungen so oder so bisher wenig: Nicht nur im Hanappi-Stadion waren am Sonntag bengalische Feuer zu sehen, sondern auch in Wiener Neustadt vom Sturm-Graz-Anhang.

Sportminister will "Radikallösung"

Österreichs Sportminister Norbert Darabos, der im Stadion dabei war, forderte ein hartes Vorgehen gegen die Hooligans. "Wir müssen eine Gesamt-Radikallösung andenken", erklärte er. Darabos flog nach einer "schlaflosen Nacht" zum EU-Außenminister- und Verteidigungsministerrat am Montag in Brüssel. Der Rapid-Sympathisant war wie so viele Zuschauer betroffen von den Ausschreitungen. "Das ist eine Schande nicht nur für den österreichischen Fußball, sondern für den gesamten Sport. Die Bilder sind um die Welt gegangen, das ist ein großer Imageschaden", sagte der Sportminister.

Darabos erinnert daran, dass dies nicht der erste Vorfall im österreichischen Fußball war, man dürfe die Augen nun nicht mehr verschließen. Auch die Politik ist nun gefordert. "Es tut mir weh. Wenn es solche Ausmaße annimmt, muss sich die Politik einmischen", betonte Darabos und sprach sich für harte Maßnahmen aus. "Es muss ein rigoroses Verhängen von Stadionverboten für ganz Österreich geben", erklärte er. "Diesen Fall muss man ganz hart bestrafen."

Der Sportminister überlegt aber auch eine Initiative auf parlamentarischer Ebene, nämlich solche Ausschreitungen vom Verwaltungs- in das Strafrecht zu heben. "Wenn es strafbar ist, wird sich der eine oder andere überlegen, ob er den Platz stürmt", sagte Darabos. Sein Vorbild ist nicht nur im strafrechtlichen Bereich England. Auf der Insel, wo der Hooliganismus seinen Anfang hatte, wurde mit harten Sanktionen und intensiver Überwachung mit den unerwünschten Randalierern konsequent aufgeräumt. "Man wird sich das England-Modell anschauen", so Darabos, der sich etwa Ausweispflicht für Dauerkartenbesitzer vorstellen kann.

Da angeblich auch ausländische Hooligans am Platzsturm in Hütteldorf teilgenommen haben, ist Darabos auch ganz auf Linie mit Uefa-Präsident Michel Platini, der im Kampf gegen Hooligans eine internationale Zusammenarbeit fordert.

Für Österreich fordert er, dass man die "Augen nicht mehr verschließt" und die harte Linie auch durchzieht. "Das Rapid-Fanprojekt hat man grundsätzlich als gut eingestuft, aber das wurde ausgenutzt. Mit Augenzwinkern geht es nicht. Rasches Aufheben von Stadionverboten darf es nicht geben. Es darf nicht sein, dass es nach einigen Wochen abebbt", erklärte der Sportminister, der bereits mit ÖFB-Präsident Leo Windtner Kontakt aufgenommen hat. Gemeinsam werden sie zu einer Besprechung mit allen Vereinen einladen.

(APA)