Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Mit Blick aufs Schilf

(c) ORF
  • Drucken

Neusiedler See: Objekte am Ufer sind im Burgenland sehr begehrt – und rar. Im Vergleich zu anderen österreichischen Seeregionen ist das Angebot jedoch günstig.

Das Projekt „Am Hafen“ schreitet voran, die Lagunensiedlung in Neusiedl nimmt langsam Formen an. Nach dem bereits erfolgten Durchstich für den Seekanal wird an der Fertigstellung eines Netzes von Wasserstraßen mit Direktanbindung an den neu errichteten Stadthafen Neusiedl gearbeitet. Im Entstehen ist eine Siedlung für 22 am Wasser gelegene, rund 60 Quadratmeter große Appartements, allesamt mit eigenem Bootsanliegeplatz ausgestattet. Zugleich werden auf zwei Halbinseln 36 Wohnhäuser mit 86 bis 173 Quadratmeter Wohnfläche errichtet. Geboten wird – nur wenige Meter vom offenen See entfernt – eine in den unter Naturschutz stehenden Schilfgürtel eingebettete Wohnmöglichkeit, die laut örtlichen Immobilienexperten eine echte Rarität darstellt. „Aufgrund der strengen Naturschutzbestimmungen ist die Anlage möglicherweise eine der letzten Optionen, sich einen Wohnplatz direkt am See zu sichern“, meint Kathrin Ehrengruber vom in Neusiedl am See ansässigen Maklerbüro Realitäten Ehrengruber. Denn Bauvorhaben in Uferregionen gelten am Neusiedler See als verpönt. Sind es nicht gesetzliche Barrieren, die Bauinitiativen im Weg stehen, sorgen ansässige Bürger oder Naturschützer für den Stopp von Projekten. Ein Beispiel ist die Bürgerinitiative „Rettet das Schilf“, die sich seit Monaten erfolgreich gegen ein Entwicklungskonzept stemmt, das in Weiden am See Flächen im Naturschutzgebiet für freizeitorientierte Wohnnutzung vorsieht.

 

See-Schnäppchen

Die Weichen beim Neusiedler Projekt „Am Hafen“ sind hingegen gestellt. Interessenten der bereits zum Kauf stehenden Wohnungen und Häuser haben dabei mit Preisen zwischen 250.000 und 470.000 Euro zu kalkulieren. Was für burgenländische Verhältnisse teuer erscheint, geht im österreichweiten Vergleich als Schnäppchen durch. Laut jüngstem Marktbericht des Dr. Max Huber Realbüros wird die Liste der teuersten Seeregionen des Landes von Gmunden/Traunsee, Velden/Wörthersee und dem Attersee angeführt. Wer nach einem Seegrund Ausschau hält, wird etwa am Attersee mit Spitzenwerten von bis zu 4300 Euro pro Quadratmeter konfrontiert. Neusiedl am See rangiert in der Kategorie Seegrundstücke mit 350 bis 450 Euro pro Quadratmeter bloß an zwölfter Stelle. Preise, die aber ohnehin eher theoretischer Natur sind, wie Ehrengruber betont: „Leere Grundstücke sind im Seebereich praktisch nicht zu haben. Wenn etwas frei wird, ist es zumeist schon verbaut.“

Generell prägen rund um den Neusiedler See eine große Nachfrage und ein geringes Angebot den Wohnungsmarkt. Dass die Region als Wohnsitz boomt, liegt laut Experten an einer Vielzahl von Gründen. „Für dauerhafte Ansiedler sind in erster Linie die Wien-Nähe, die sehr gute Wohnqualität und die burgenländische Wohnbauförderung gute Argumente. Zu den besonders attraktiven Wohngebieten zählen die Ortschaften mit Seezugang wie Weiden, Podersdorf, Neusiedl am See, Jois, Breitenbrunn, aber auch Parndorf“, meint Re/Max-P&I-Immobilienmaklerin Roswitha Knebelreiter. „Die rasche Erreichbarkeit der Wirtschaftsmetropolen Wien, Bratislava, Györ, das breit gefächerte Freizeitangebot, eine steigende Anzahl an Arbeitsplätzen sowie ein großes Angebot an Bildungsangeboten“, sieht Christian Rittsteuer von Seereal Immobilien als entscheidende Argumente für die Region. Neben der günstigen geografischen Lage zeichne insbesondere das pannonische, relativ milde und niederschlagsarme Klima für eine hohe Lebensqualität verantwortlich. Mit rund 2000 Stunden Sonne pro Jahr gilt etwa der Seewinkel als die sonnenreichste Region Österreichs.

Was die Marktlage betrifft, muss laut Experten nach Objektart unterschieden werden. Mietobjekte speziell im Raum Neusiedl sind trotz großer Nachfrage in genügender Anzahl vorhanden. Die große Menge an Genossenschaftswohnungen bewirkt, dass Eigentumswohnungen nicht in so großer Zahl vorhanden und schwerer verkäuflich sind.

Für Häuser und Grundstücke werden meistens bei ortsüblichen Preisen schnell Käufer gefunden, auch wenn es sich um Topobjekte handelt. Die Preise sind dabei laut Rittsteuer in allen Segmenten steigend: „Für Mietobjekte werden beispielsweise in Neusiedl sieben bis zehn Euro pro Quadratmeter verlangt, wobei bei exklusiveren Objekten – Stichwort Seeliegenschaft – natürlich auch höhere Preise erzielt werden können. Für gebrauchte Eigentumswohnungen sind 1200 bis 1500 Euro pro Quadratmeter zu veranschlagen, für Grundstücke mit Seeblick, die aber nicht in unmittelbarer Seenähe liegen, 150 bis 200 Euro.“

Seehäuser seien, etwa im Seepark Weiden, bereits ab durchschnittlich 220.000 Euro für 100 Quadratmeter zu haben – rund ein Drittel von jenen Summen, die für Vergleichbares am Wörthersee oder Attersee auszulegen sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2011)