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Strauss-Kahn: Klägerin Banon bricht ihr Schweigen

(c) Reuters (PHILIPPE WOJAZER)
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Die junge Publizistin Tristane Banon gibt in französischen Medien pikante Details der angeblichen versuchten Vergewaltigung durch den Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds Dominique Strauss-Kahn bekannt.

Paris/Wien/Aga/Ag. Das zufriedene Lächeln, das Dominique Strauss-Kahn nach seinem letzten New Yorker Gerichtstermin aufgesetzt hatte, dürfte einem sorgenvollen Gesichtsausdruck gewichen sein. Ganz Frankreich spricht nun nicht mehr darüber, ob der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) nach dem sehr wahrscheinlichen Rückzug der Klage in den USA nun doch zu den Vorwahlen der Parti Socialiste (PS) für die Präsidentschaftskandidatur antreten könnte, sondern über einen weiteren Fall sexueller Belästigung, der dem 62-Jährigen zur Last gelegt wird.

Was hat sich in jenem Appartement im siebenten Pariser Arrondisement am 11. Februar 2003 tatsächlich zugetragen, wo Strauss-Kahn der jungen Publizistin Tristane Banon zu nahe gekommen sein soll? Banon, die am Dienstag eine gerichtliche Klage wegen versuchter Vergewaltigung eingereicht hat, hat in dem französischen Nachrichtenmagazin „L'Express“ pikante Details zu dem Treffen mit dem 62-Jährigen bekannt gegeben, bei dem es zu dem sexuellen Übergriff gekommen sein soll. Die blutjunge Autorin hatte damals im Zuge der Recherchearbeiten für ihr erstes Buch, das ausgerechnet von Fehlern und Schwächen bekannter Politiker handeln sollte, ein Treffen mit dem ehemaligen Finanzminister Strauss-Kahn vereinbart. „Als ich die fast leere Wohnung betreten hatte, fühlte ich mich sofort unwohl – es gab dort nichts als einen runden Tisch, eine Kaffeemaschine, ein leeres Bücherregal, und, ganz am Ende, ein Zimmer mit einem Bett“, schildert Banon.

 

„Er wollte mich ausziehen“

Dennoch begann sie mit dem Interview. Strauss-Kahn wollte die Fragen Banons nur beantworten, wenn er ihre Hand halten durfte. Daraufhin wollte Banon gehen. Doch Strauss-Kahn ließ nicht von ihr ab: „Er grapschte nach meiner Hand und meinem Arm. Ich sagte, er solle von mir ablassen, und dann begann die Keilerei erst“, so die 32-Jährige im „Express“. „Er zog mich zu sich hin, wir fielen zu Boden und kämpften dort mehrere Minuten. Er versuchte, mir BH und Jeans auszuziehen. Als ich begriff, dass er mich tatsächlich vergewaltigen wollte, gab ich ihm Fußtritte mit meinen Stiefeln und konnte schließlich entkommen.“

So weit die Schilderung der Klägerin, die Strauss-Kahn heftig dementiert. Ob er aber auch bei dieser Anklage mit dem Schrecken davonkommt, ist fraglich.

 

Auch Hollande in Bedrängnis

Zwar liegt das Ereignis über acht Jahre zurück und manch einer fragt sich, warum Banon nicht schon früher Anzeige erstattete.

Jedoch wird die Journalistin, die seit einigen Monaten für das der konservativen Regierungspartei UMP nahestehende Online-Magazin „Atlantico“ arbeitet, als weit glaubwürdiger eingeschätzt als das aus Guinea stammende Zimmermädchen des Accor-Hotels in New York, das ähnliche Vorwürfe gegen den Ex-IWF-Chef erhoben hat.

Und nicht nur Strauss-Kahn selbst, auch der derzeit aussichtsreichste Kandidat der Sozialisten für die Präsidentschaftswahl, Francois Hollande, gerät durch die Aussagen der Frau in Bedrängnis: Angaben Banons zufolge hat Hollande nämlich von dem Vergewaltigungsversuch gewusst. Nach dem Vorfall im Jahr 2003 habe er sie einmal angerufen und seine Sorge bekundet, so Banon. Hollande bestreitet dies. Banons Mutter, eine sozialistische Abgeordnete, die ihre Tochter seinerzeit von einer Anklage gegen Strauss-Kahn abgehalten hatte, habe ihm zwar von einem „Zwischenfall“ erzählt, Näheres habe er aber nicht gewusst. Sollte sich diese Aussage als falsch erweisen, könnte bald ein weiterer Spitzenkandidat der französischen Linken fallen. „Subtext“, S. 23

Auf einen Blick

Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wird ein weiteres Mal wegen versuchter Vergewaltigung angezeigt, diesmal von der französischen Publizistin Tristane Banon. Strauss-Kahn weist die Vorwürfe von sich und hat seinerseits mit einer Anzeige wegen falscher Anschuldigungen gedroht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2011)