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Oberstufe: "Lerncoach ohne Ausbildung bringt wenig"

Oberstufe Lerncoach ohne Ausbildung
(c) Clemens Fabry
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In der Modularen Oberstufe soll jeder Lehrer auch als Lerncoach eingesetzt werden können. Experten kritisieren das.

Prinzipiell soll in der Modularen Oberstufe jeder Lehrer auch als Lerncoach eingesetzt werden können. Nun gibt es Kritik an dem Plan der Regierung: "Einen Lehrer einfach herzunehmen und zum Lerncoach zu erklären, bringt sehr wenig - für welchen Schüler auch immer", kritisiert Renate Birgmayer, Lehrerin und Leiterin des auf Lernen und Fortbildung spezialisierte Institut "Thinkpäd". "Lerncoaches brauchen eine ordentliche Ausbildung, wo systematisches Denken und Kommunikation den Schwerpunkt bilden."

Alle Lehrer kommen in Betracht

In den Erläuterungen zum Gesetzesentwurf, dessen verlängerte Begutachtungsfrist noch bis 6. September läuft, heißt es hingegen zur Qualifikation von Lerncoaches: "Es kommen für diese Funktion grundsätzlich alle Lehrer der Schule in Betracht, wenngleich die Fachkunde, eine spezielle Weiterbildung in der Didaktik der Lernbegleitung und ein hohes Maß an pädagogischer Kompetenz im Umgang mit lernschwachen Schülern von besonderer Bedeutung sind."

Lerncoaches sollen laut Gesetzesentwurf vom Schulleiter "mit der individuellen Begleitung und Unterstützung des Lernprozesses von Schülern" betraut werden. Aufgabe der Lerncoaches ist es unter anderem, die Schüler zu motivieren und ihnen Selbstorganisation und Lernstrategien beizubringen. Ob sie auch Hochbegabte beraten werden, ist laut Unterrichtsministerium noch "abhängig von den finanziellen Möglichkeiten".

Coaches auch für Begabte

"Wenn Lerncoaches nur für schwache Schüler kommen, geht das wieder am Ziel vorbei. Sie sind dann nur eine Art besserer Nachhilfelehrer", betont hingegen Birgmayer. Denn gerade bei Hochbegabten sei die Lerntechnik ein "heikler Punkt", bei dem sie Unterstützung benötigen würden. Sie würden sich sehr leicht tun und seien somit nicht zu einer Arbeitshaltung gezwungen. "Manche entwickeln auch eine Konzentrationsschwäche, weil nichts für sie Neues vorkommt."

Die Folge: Sie erkennen nicht, was und wie sie lernen müssen. Da viele Hochbegabte außerdem im Unterricht nicht aufpassen, entwickeln sie zudem eigene Systeme, etwa für Rechenwege. "Damit kommen sie irgendwie durch, aber irgendwann kracht's."

Gekoppelt mit Leistungsschwächen

Dieses Problem der Koppelung von Hochbegabung und Teilleistungsschwächen bzw. dem Fehlen von Lerntechnik werde allerdings noch viel zu wenig erkannt, so Birgmayer. "Es kommt zu vielen Fehlzuschreibungen, etwa indem den Kindern mangelnder Wille vorgeworfen wird." Es herrsche der Irrglaube vor, dass hochbegabte Schüler aufgrund ihrer Intelligenz hervorragende Noten haben, und zwar in allen Fächern. "Da passiert noch immer sehr viel Ungerechtigkeit."

(APA)