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Ökologie: Energiebilanz im Blickfeld

oekologie Energiebilanz Blickfeld
Baxter
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Nach den Büroflächen wird auch bei Betriebsgebäuden verstärkt in Energieeffizienz investiert. Im Idealfall werden sogar ganze Produktionseinheiten energieautark.

Der Trend ist eindeutig: Laut einer Studie des Maklers EHL Immobilien waren von den neuen Büroflächen, die 2010 und 2011 in Wien auf den Markt kamen, bereits rund 70 Prozent als Green Buildings klassifiziert. Büroobjekte mit hohen Energieeffizienz- und Umweltstandards, analysieren die Experten, würden überdurchschnittlich nachgefragt, die Leerstandsraten seien niedriger als beim Altbestand mit geringerer ökologischer Qualität. Laut einer Roland-Berger-Umfrage vom Vorjahr nehmen Bauherren, Investoren und Mieter dafür sogar höhere Kosten von bis zu neun Prozent in Kauf.

 

Kühlen mit Grundwasser

Dieser Trend scheint inzwischen auch andere Gewerbeimmobilien zu erfassen. Der Pharmakonzern Baxter etwa legte auf die normalen Investitionskosten noch rund zehn Prozent drauf, damit sein neues Labor- und Bürogebäude im 22.Wiener Gemeindebezirk mit dem amerikanischen Nachhaltigkeitslabel LEED (Leadership in Energy & Environmental Design) zertifiziert werden konnte. „Das Umweltthema ist uns wichtig, daher wollten wir ein entsprechendes Zeichen setzen“, erklärt Markus Katzler, Head of Environmental & Energy Management bei Baxter. Neben allgemeinen Maßnahmen wie der Nutzung von Grundwasser für WC-Spülungen hat man vor allem Augenmerk auf den Energieverbrauch gelegt: Büro- und Laborgebäude wurden mit neuesten Materialien gedämmt, die Klimaanlage wurde durch Kühlung der Decken mit Grundwasser entlastet, eine Wärmerückgewinnungsanlage in die Lüftung integriert, die Tageslichtnutzungsdauer über Lichtlenklamellen an den Fenstern verlängert. „Dadurch konnten wir den Energieverbrauch des Gebäudes um mehr als 33 Prozent senken. Auch das Büro-Raumklima hat sich durch diese Maßnahmen verbessert, wie Rückmeldungen unserer Mitarbeiter bestätigen“, so Katzler.

Ähnlich positive Effekte erwartet Andreas Heindl von Modernisierung und Ausbau seiner Firmenzentrale im 23. Bezirk. „In unserem neuen Produktionswerk rechnen wir mit Energieeinsparungen im Ausmaß von 35 Prozent. Bisher haben wir die Abwärme unserer Produktionsanlagen über das Dach hinausgeblasen. Mit einer neuen Energierückgewinnungsanlage werden wir diese Wärme fast zur Gänze für die Warmwasseraufbereitung und Heizung nutzen können“, gibt sich der Geschäftsführer des Waffelherstellers Confiserie Heindl zuversichtlich. Eine weitere Entlastung der Energiebilanz soll eine Lüftungsanlage bringen, die Außenluft zur Kühlung nutzt. „Die Klimaanlage braucht dann nur mehr an wirklich warmen Tagen zugeschaltet werden“, so Heindl. In Planung ist weiters eine Fotovoltaikanlage, die Heindl gemeinsam mit Wien Energie realisieren will. „Das neue Werk verfügt über rund 5000m2 Dachfläche, die sich für eine Sonnenenergienutzung geradezu anbietet. Wir hoffen, dass wir auch diese Investition noch stemmen können.“

 

Hühnermist als Energiequelle

Gänzlich energieautark präsentiert sich bereits der Nudelhersteller Wolf an seinem Unternehmensstammsitz in Güssing im Südburgenland. Das energietechnische Herzstück ist eine im Mai neu in Betrieb genommene Biogasanlage, die sowohl den Strom als auch die benötigte thermische Energie für den gesamten Produktionsbetrieb liefert. Als Rohstoff dienen die Ausscheidungen der Hühner der angeschlossenen Landwirtschaft, die gemeinsam mit Grünsilage in einer neuartigen Anlage zu Biogas vergoren werden. „Es handelt sich um einen absolut CO2-neutralen Kreislauf“, erläutert Geschäftsführer Joachim Wolf. „Mit dem gewonnenen Biogas lässt sich ein Generator für die Stromerzeugung betreiben, die Abwärme des Motors kann für die Trocknung der Nudeln verwendet und das Gärprodukt der Biogasanlage als natürlicher Dünger wieder auf dem Feld ausgebracht werden.“ Mit einer Leistung von 500 KW produziert die Anlage laut Wolf so viel Energie, dass sogar noch etwas ins Netz eingespeist werden kann. Zwei Millionen Euro hat sich Wolf die Anlage kosten lassen, weniger aus ökonomischen als vielmehr aus ökologischen Gründen, wie der Geschäftsführer beteuert. Dabei klingt er schon fast wie ein Ökoaktivist: „Wir tragen eine Verantwortung für die nachfolgenden Generationen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Zukunft der Energieerzeugung nicht in Atomkraftwerken, sondern in solchen dezentralen, kleinen Einheiten liegt.“
www.baxter.at,www.heindl.co.at,
www.wolfnudeln.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2011)