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Russen prellten Briatore im "Billionaire Club"

(c) EPA (VINCENT DAMOURETTE)
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Flavio Briatore muss sich nun mit russischen Zechprellern herumschlagen. Diese verschwanden, ohne die 86.000-Euro-Rechnung zu begleichen. Dabei steht Sardinien nicht nur bei Möchtegern-Oligarchen hoch im Kurs.

Sie tanzten und speisten die ganze Nacht, und weil das ohne flüssige Stärkung im Hochsommer anstrengend und wohl auch nicht ganz so lustig ist, floss noch dazu der Inhalt von mehr als 90 Flaschen Champagner. Das Problem mit den sechs jungen Russen, die in Flavio Briatores „Billionaire Club“ auf Sardinien feierten: Sie vergaßen am Ende aufs Zahlen und verschwanden, ohne die 86.000-Euro-Rechnung zu begleichen.

Aufgefallen waren sie zuvor offenbar nicht weiter: Die drei Paare hatten behauptet, sie seien Moskauer Unternehmer und Gäste einer Luxusjacht, die in der Jetset-Ortschaft Porto Cervo vor Anker liegt. Nichts, was im „Billionaire“ für Aufsehen sorgen würde. Erst als die sechs weg waren, schöpfte man Verdacht und alarmierte die Polizei, die den Kapitän der Jacht befragte und sein Schiff konfiszierte. Von den Russen fehlt bisher jede Spur.

Flavio Briatore, Ex-Formel-1-Manager, Ex-Playboy (seit drei Jahren ist er mit Elisabetta Gregoraci verheiratet) und Immer-noch-Zampano, kann den Verlust wohl verschmerzen. Sardinien erfreut sich unter den Reichen, Schönen und Wichtigen der Welt ungebrochener Beliebtheit – wie manche meinen, heuer sogar mehr denn je. Im August weilt man am Mittelmeer, und dieses Jahr angeblich sogar lieber auf der Insel vor Italien als auf Mallorca, in Marbella oder St. Tropez. „Billionairelife is the luxury of being yourself“, verkündet Briatore auf der Website seines Clubs: Wer über Millionen und Milliarden verfügt, dürfe sich hier dem Luxus hingeben, ganz er selbst zu sein. Das könnte wohl auch für Fiona Swarovski-Grasser gelten, die die traditionelle Geburtstagsfeier des italienischen Juweliers Fawaz Gruosi („Grisogno“) dem Beachvolleyball am Wörthersee vorzog – und sich mit Freundin Gregoraci fotografieren ließ.

„Ganz sie selbst“ war heuer auch Heidi Klum, die längst nicht mehr mit Briatore zusammen ist, aber auf Sardinien nicht verzichten will. Mit Ehemann Seal präsentierte sie sich in Porto Cervo den Paparazzi oben ohne und sorgte en passant für vorteilhafte Eigen-PR („vier Kinder und so ein Körper“). US-Schauspieler Edward Norton urlaubte hier mit Freundin Shauna Robertson, Model Bar Refaeli mit ihrem neuen Freund – und Steven Spielberg unterschätzte die Strenge der örtlichen Küstenwache: Der Regisseur, der mit seiner 90-Meter-Jacht „Seven Seas“ im Mittelmeer unterwegs ist, fuhr mit einem Schlauchboot an den Strand, was für Motorboote verboten ist. Spielberg, der mit Freunden wie Gwyneth Paltrow im Boot saß, fasste 172 Euro Strafe aus und entschuldigte sich.


Wer keine Jacht sein Eigen nennen kann, ist auf Hotels oder Immobilien angewiesen, die einem Ranking zufolge gerade mit neuen Rekordpreisen überraschen: In Porto Cervo kostet ein Haus am Wasser mindestens 50, manchmal auch 100 Millionen Euro. In der Via Romazzino, wo reiche Italiener neben russischen Milliardären wohnen, kostet der Quadratmeter 30.000 Euro aufwärts.

Briatore arbeitet indes längst an einem neuen Teil seines Imperiums: In Kenia will er ein afrikanisches Gegenstück zum „Billionaire“ in einem Nationalpark errichten. Anrainer und Geschäftsleute in der Hafenstadt Malindi fürchten, angesichts der Millionäre zu „Eindringlingen“ im eigenen Land zu werden – und liefen heuer im Frühjahr gegen die Pläne Sturm.

Zur Person

Flavio Briatore (61) ist ausgebildeter Landvermesser, ehemaliger Formel-1-Manager und Miteigentümer des Londoner Fußballvereins Queens Park Rangers. Er betreibt u. a. das Modelabel „Billionaire Couture“, den „Billionaire Club“ in Porto Cervo an der sardischen Costa Smeralda, den „Twiga Beach Club“ in der Toskana oder das Luxushotel „Lion in the Sun“ in Kenia. In Kenia will er auch einen afrikanischen „Billionaire Club“ errichten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2011)