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Steinhof: Häupl verordnet Baustopp

Steinhof Haeupl verordnet Baustopp
(c) DiePresse.com
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Wiens Bürgermeister gibt dem Druck einer Bürgerinitiative und der „Kronenzeitung“ nach und streicht mindestens 200 von 600 geplanten Wohnungen. Wiener ÖVP und FPÖ sind auf den Protestzug aufgesprungen.

Wien. Bürgermeister Michael Häupl (SP) beugt sich dem Druck der relativ kleinen Bürgerinitiative, die seit Wochen lauthals von der „Kronenzeitung“ unterstützt wurde, und sagt die geplante Bebauung der Wiener Steinhofgründe zumindest teilweise ab. 200 der rund 600 geplanten Wohnungen im östlichen Teil des Areals sollen ersatzlos gestrichen werden.

„Der Bürgermeister hat sich die Diskussion angesehen, einen Lösungsbedarf erkannt und eine Entscheidung gefällt“, sagt sein Sprecher Paul Weis am Freitag zur „Presse“. Ob die restlichen 400 geplanten Wohnungen – der Baubeginn war für Ende 2012 geplant – errichtet werden sollen, ist allerdings offen. Die Gesiba wurde mit der Überarbeitung der Pläne beauftragt, bei der die Bürger eingebunden werden sollen. „Der Prozess ist völlig offen, es gibt keine Vorgaben, keinen Zeitplan. Es ist also alles möglich“, sagt Weis. Es solle lediglich rasch mit der Überarbeitung begonnen werden.

Betroffen von diesem Rückzieher ist allerdings nur der rund 80.000 Quadratmeter große Teil der Gesiba, die dort neben den 620 Wohnungen auch einen Kindergarten und eine Tiefgarage plante. Insgesamt ist das Areal 723.000 Quadratmeter groß.

 

Einzig Reha ist fix

Das Rehabilitationszentrum der Vamed, das bereits gebaut wird, soll aber auf jeden Fall kommen. Auf 2500Quadratmetern entsteht hier bis Mitte 2012 ein stationäres orthopädisches Rehabilitationszentrum mit vier Stationen und 152Betten – inklusive öffentlichem Bereich mit Schwimmbad und Sauna.

Grund für den Rückzieher des Bürgermeisters dürfte wohl politischer Druck und vor allem jener vonseiten der „Kronenzeitung“ sein. Immerhin wurden die Pläne für den östlichen Teil der Steinhofgründe bereits 2006 im Gemeinderat abgesegnet – lediglich die Grünen stimmten damals dagegen. 2008 ging dann der Verkauf vom Krankenanstaltenverbund an die Gesiba über die Bühne, die wiederum einen Teil an die Vamed weitergab.

Erst als die Vorbereitungen für den Bau des Vamed-Projekts – das Rehazentrum – begonnen hatten, gab es Protest von einer Bürgerinitiative. „Unser Kernteam besteht etwa aus zehn Personen. Insgesamt sind wir rund 20Personen“, sagt Gerhard Hadinger von der Initiative Steinhof. Gehört wurde man dennoch, immerhin gab es Unterstützung von der „Kronenzeitung“, die gegen „Bonzenbauten“ protestierte. Gegen diese Wortwahl wiederum wehrt sich Ewald Kirschner, Generaldirektor der Gesiba. Bei den geplanten Wohnungen handle es sich immerhin um „je ein Drittel geförderte Mietwohnungen, geförderte Eigentumswohnungen und frei finanzierte Wohnungen“.

Schlussendlich sind auch die Wiener ÖVP und FPÖ auf den Protestzug aufgesprungen. Erstere fordert das Weltkulturerbe für das Areal, letztere einen generellen Baustopp. Der nun verkündete Baustopp der ersten Wohnungen wird somit von allen Parteien begrüßt. Lediglich die Bürgerinitiative gibt sich mit der Streichung von „nur“ 200Wohnungen nicht zufrieden. „Das ist nicht unser Ziel“, sagt Hadinger.

Wenig erfreut werden von dem Rückzieher wohl jene sein, die bereits Interesse an den Wohnungen bekundet haben. „Bis jetzt haben sich rund 400Anmeldungen gesammelt“, sagt Kirschner. Kurioses Detail: Einige davon gingen am Rande einer gemeinsamen Begehung oder bei den Bürgerversammlungen ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2011)