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Fukushima-Effekt: Japan versucht es ohne Atomstrom – vorerst

(c) EPA (EVERETT KENNEDY BROWN)
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Die drei letzten Meiler sollen im Mai abgedreht werden. Damit wird Japan in den nächsten Monaten atomstromfrei. Wann die Atomkraftwerke wieder ihren Betrieb aufnehmen oder ob überhaupt, bleibt vorerst noch unklar.

Tokio. In den Gängen des Bürogebäudes ist es empfindlich kalt. Mitarbeiterinnen des Außenministeriums huschen mit Schals um ihre Schultern geschlungen in die Büroräume und schließen rasch die Türen hinter sich. Drinnen ist nämlich geheizt, und man möge bitte darauf achten, Wärme nicht unnötig entweichen zu lassen – wie die Plakate mit den putzigen Comicfiguren erklären, die an jeder Tür kleben. Stromsparen ist angesagt in Tokio, und in öffentlichen Gebäuden geht man mit gutem Beispiel voran.

Seit der großen Nuklearkatastrophe von Fukushima hat Japan mit einem Energieengpass zu kämpfen. Von den insgesamt 54 Atommeilern im Inselstaat, die 30 Prozent des Strombedarfs lieferten, ist nur mehr ein kleiner Bruchteil in Betrieb. Am Freitag nahm der Betreiberkonzern Chugoku Electric Power einen seiner Reaktoren zur planmäßigen Wartung vom Netz. Die verbleibenden drei Atomkraftwerke sollen bis Ende April abgedreht werden. Damit wird Japan in den nächsten Monaten atomstromfrei. Wann die Atomkraftwerke wieder ihren Betrieb aufnehmen – oder ob überhaupt, bleibt vorerst noch unklar.

„Wir müssen unsere Lektionen aus Fukushima lernen und wollen alle AKW neuen Sicherheitsmaßnahmen unterziehen“, erklärt Noriyuki Shikata, Sprecher des Premierministers, in einem – beheizten – Raum des Ministeriums. Die Kraftwerke sollen Stresstests, ähnlich den europäischen, unterzogen werden, bevor sie wieder ans Netz gehen. Dennoch versucht die Regierung, alle Optionen offenzuhalten: Diskutiert wird derzeit die Verlängerung der AKW-Laufzeit von 40 auf 60 Jahre.

Die Stunde der Erneuerbaren

Der Widerstand der Japaner ist jedenfalls groß – und gegen ihren Willen will die Regierung die abgedrehten AKW nicht wieder in Betrieb nehmen. Vor dem Wirtschaftsministerium haben Betroffene aus der Präfektur Fukushima ihre Zelte aufgeschlagen. Es ist ein kleines Protestcamp, das der Kälte trotzt, seine Bewohner machen ihrem Ärger Luft, geordnet und diszipliniert. Sie wollen einen völligen Atomausstieg. Doch welche Optionen bleiben Japan, die Versorgungslücke zu schließen?
„Wir setzen jetzt auf erneuerbare Energien, auf Sonne und Wind. Bisher haben wir die Nutzung von Geothermie vernachlässigt, eine für Japan sehr passende Energiequelle“, umreißt Shikata die Strategie der Regierung. Derzeit importiere Japan vermehrt Öl sowie Gas aus dem Oman und Katar.

Die Regierung betont zwar, dass es trotz der akuten Engpässe zu keiner Rationierung kommen werde. In den U-Bahn-Stationen muss man aber weiterhin damit rechnen, dass der Lift abgeschaltet bleibt. Und in öffentlichen Gebäuden, dass die Gänge kalt bleiben.