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Christian Meidlinger, Neugebauers kleiner roter Bruder

(c) APA
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Hundstorfers Nachfolger. Fleißiger SPÖ-Mann und Schwachstromtechniker a.D.: Wenn's um öffentlich (Gemeinde-)Bedienstete geht, sitzt der rote Gewerkschafter aus Wien Floridsdorf Christian Meidlinger mit am Tisch.

Wien. Er ist als Gemeinderat dabei, wenn die Wiener SPÖ, wie am gestrigen Donnerstag, zu ihrer traditionellen Klausur nach Rust kommt. Wenn die Bundesregierung mit den öffentlich Bediensteten um die Gehälter feilscht, sitzt er gemeinsam mit Fritz Neugebauer (ÖVP) auf der einen Seite des Verhandlungstisches. Während der Chef der Beamtengewerkschaft längst der Buhmann schlechthin ist, kennen nur wenige Österreicher den 48-jährigen Christian Meidlinger. Dabei ist der gelernte Nachrichtentechniker seit 2006 geschäftsführender und seit 2007 endgültig Gewerkschaftsvorsitzender der rund 155.000 Gemeindebediensteten.

Zumindest im Auftreten ist der rote Gewerkschafter aus Wien Floridsdorf, der als Schwachstrommechaniker bei den Wiener Verkehrsbetrieben gelernt hat und dort als Belegschaftsvertreter groß wurde, das Gegenteil seines Vorgängers. Der heißt Rudolf Hundstorfer, war knapp zwei Jahre lang ÖGB-Präsident und sorgt jetzt als Sozialminister für sein positives Image.

Die Einschätzung von schwarzen wie roten Gewerkschaftern deckt sich: „Meidlinger ist kein Dampfplauderer, kein Polterer. Keiner, der zündelt, nur um populär zu sein“, urteilt ÖGB-Vizepräsidentin Sabine Oberhauser (SPÖ). Neugebauer schätzt ihn als seriösen, kompetenten Verhandlungspartner. Und Hundstorfer beschreibt ihn knapp, aber prägnant: „Ernsthafter, konsequenter Arbeiter, kein Schaumschläger.“ Neugebauer steht vorne im Scheinwerferlicht, Meidlinger wie bei den Gehaltsverhandlungen im Spätherbst wie sein kleinerer roter Bruder etwas dahinter. Meidlinger selbst führt diese Rollenverteilung auch darauf zurück, dass „der Fritz“ immerhin schon 15 Jahre an der Spitze der GÖD steht. „Ich kann mit dem ganz gut leben.“

 

„Den Wirbel lieber intern“

Die von den Christgewerkschaftern dominierte Beamtenvertretung hat ganz und gar nichts gegen den Eindruck, dass Neugebauer gleichsam als „Schutzherr“ aller öffentlich Bediensteten, nicht nur jener im Bund, wahrgenommen wird. Kenner aus dem Wiener Rathaus sehen das weniger positiv für Meidlinger. So nennt einer der Befragten, der nicht namentlich genannt werden will, als Hauptunterschied und zugleich Manko für die Gemeindebediensteten: „Der unumschränkte Star war Hundstorfer.“

Seine Kollegen attestieren, dass Meidlinger mit hundertprozentigem Einsatz für die Bediensteten unterwegs sei. Als Gewerkschaftschef besucht er nicht nur am Heiligen Abend die Bediensteten im Wiener AKH oder in den Garagen der Verkehrsbetriebe. Nicht nur einmal in der Woche ist er ab fünf Uhr früh auf den Beinen, nicht selten dauert der Tag bis Mitternacht.

Im Wiener Rathaus eilt ihm der Ruf des braven SPÖ-Parteisoldaten voraus, der besonders das ganze sozialdemokratische Sündenregister gegen Schwarz-Blau im kleinen Finger hat. Den öffentlichen Eindruck, dass Meidlinger zu wenig politisches Gewicht gegenüber der Wiener SPÖ hat, teilt Oberhauser nicht: „Der macht den Wirbel nicht in der Zeitung, sondern intern.“ Bisweilen macht Meidlinger den Wirbel freilich auch öffentlich. Das fällt dann umso mehr auf. Zuletzt, als er zu Weihnachten bei einer Demonstration in Linz mit Gewerkschaftskollegen auf die Straße gegangen ist. Anlass war, dass Oberösterreich per Landtagsbeschluss festgelegt hat, dass die Gehaltserhöhung bei den Landesbediensteten für 2012 um einen Prozentpunkt niedriger als im Bund ausfällt. Mittlerweile gibt es eine Streikdrohung, wenn es bei den Verhandlungen bis 28.März nicht zum Kompromiss kommt.

Für Meidlinger handelt es sich um keine parteipolitische Aktion gegen Schwarz-Grün. „Da ist mir die Farbe wurscht“, beteuert er mit Hinweis darauf, dass auch gegen die Nulllohnrunde in der Steiermark protestiert wurde, wo Franz Voves Landeschef ist. Sein Ziel ist es generell, die Homogenität des Gehaltsabschlusses, wie es sie bis in die 90er-Jahre vom Bund über die Länder bis zu den Gemeinden gegeben hat, wiederherzustellen.

 

Wo die Homogenität endet

Daher trägt er auch die Entscheidung mit, dass es für Wiener Gemeindebedienstete wie für Bundesmitarbeiter 2013 eine Nulllohnrunde geben soll. Allerdings unter der Bedingung, dass der Aufnahmestopp nicht kommt und dass am Wiener Pensionsrecht nicht gerüttelt wird.

Mit Neugebauer teilt der verheiratete Meidlinger, der Vater einer Tochter (30) und eines Sohnes (19) ist, nicht nur des Öfteren den Verhandlungstisch, sondern auch die Leidenschaft für das Motorradfahren. In dem Fall ist Meidlinger eher der Wilde: „Der Fritz ist mir zu gemütlich unterwegs. Ich mach's auf die Hardcore-Variante.“
Wiener SPÖ-Klausur in Rust Seite12

Zur Person

Christian Meidlinger (48) ist seit 2007 Gewerkschaftsvorsitzender der Gemeindebediensteten. Seine politische Karriere begann er als Belegschaftsvertreter der Wiener Verkehrsbetriebe. Seit dem Jahr 2007 sitzt der gelernte Schwachstrommechaniker auch für die SPÖ im Wiener Gemeinderat. [Bruckberger]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2012)