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Kredite umschulden kann sich lohnen

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Die Phase niedriger Zinsen können Darlehensnehmer dazu nutzen, um sich nach günstigeren Angeboten umzusehen. Bei langen Restlaufzeiten kann sich das lohnen.

Wien. Der Kreditvertrag wurde bereits vor Jahren abgeschlossen, und nun merkt man: Es geht auch billiger. Deutlich billiger. Denn das Zinsniveau ist seit der Finanzkrise niedrig. Und auch in naher Zukunft dürfte sich daran wohl kaum etwas ändern. Insofern könnte die Umschuldung eines Kredits durchaus von Vorteil sein. Denn möglicherweise kann das neue Darlehen mit besseren Konditionen aufwarten. Doch wie sinnvoll ist die Umschuldung eines Kredits? Und wann zahlt sie sich aus?

Die Antwort ist einfach und unbefriedigend zugleich: Dem Kreditnehmer bleibt am Ende des Tages nichts anderes übrig, als sich die Belastung und die Ersparnis selbst auszurechnen. Die Umschuldung eines Darlehens kann sich nach Ansicht von Katja Fries, Finanzierungsexpertin der Erste Bank, lohnen, „wenn die Zins und- Spesenersparnis größer ist als Kosten und Gebühren.“

Ein Aspekt, der dabei besonders beachtet werden muss, ist die Restlaufzeit des Kredits. Je länger diese ist, desto eher kann der Kunde neu anfallende Kosten hereinspielen. Grundsätzlich sollte man sich als Kreditnehmer von Lockangeboten aber nicht blenden lassen. Denn schuldet man den Kredit von seiner alten auf eine neue Bank um, fallen dort ebenso Kosten wie Kontoführungs- und Bearbeitungsgebühren an. Bei Krediten mit langen Restlaufzeiten (20 Jahre) mache eine um einen Viertelprozentpunkt geringere Zinsbelastung auch schon einen Unterschied, sagt Michael Bauer von der Bawag. Ein Blick auf die Gesamtbelastung offenbare schnell, ob sich die Umschuldung rechnet.

 

Darlehen bündeln

Kunden wenden sich häufig dann an ihre Bank, wenn mehrere Darlehen gleichzeitig zurückbezahlt werden müssen und sie mehrere Raten zu einer gemeinsamen zusammenfassen wollen. Gebündelt werden können allerdings nur Kredite gleicher Art. Das heißt: Die Bündelung eines Konsum- und eines Hypothekarkredits ist nicht möglich, erklärt Bauer. Sind die entsprechenden Voraussetzungen allerdings erfüllt, dann benötige die Bank bloß eine Bestätigung des offenen Saldos vom anderen Institut. Diese Information muss der Kunde einholen, den Rest erledigt die Bank. Beachten muss man freilich auch Kündigungsfristen und eventuell auftretende Pönalzahlungen, die etwa bei Fixzinsvereinbarungen anfallen. Bei diesen zahlt der Kunde einen fixen Zinssatz innerhalb einer bestimmten Laufzeit. Das hat den Vorteil gleichbleibender monatlicher Raten.

Kommt dem Kreditnehmer der Zinssatz nun aber zu hoch vor, ist es möglich, aus der Kreditvereinbarung auszusteigen. Dann aber können Banken eine Entschädigung verlangen, weil sich auch das Geldhaus refinanzieren muss.

Beträgt die Restlaufzeit des Kredits noch maximal ein Jahr, muss der Kunde 0,5Prozent vom vorzeitig zurückbezahlten Betrag bei der Bawag als Entschädigung abführen. Zumindest ist das bei den neueren Verträgen so.

Damit der Kredit nicht gleich gekündigt werden muss, raten die Experten dazu, zuerst mit der Hausbank zu sprechen und günstigere Lösungen zu verhandeln. Denn eventuell können Sicherheiten verstärkt werden, um Konditionen zu verbessern.

Ältere Kredite sind oft an den Zwölf-Monats-Euribor gebunden, erklärt Bauer. Vielleicht lässt sich die Bank darauf ein, einen neuen Indikator wie den Drei-Monats-Euribor als Basissatz heranzuziehen. Dieser ist derzeit um rund 0,6Prozentpunkte niedriger als der Zwölfmonatssatz. Ob sich der Umstieg auszahlt, hängt auch vom Aufschlag an, den die Bank verlangt.

 

Teure Grundbucheintragung

Wird der Kredit bei der alten Bank nun doch gekündigt, um woanders neue Schulden aufzunehmen, bleibt mitunter die Hypothek beim alten Institut.

Dann, sagt Fries, müsse man aber auch Nachteile in Kauf nehmen: Will der Kreditnehmer sein Darlehen aufstocken, sei das nicht möglich, solange die alte Bank die Finger auf der Hypothek habe. Bauer erklärt, dass Banken meist auf einer Grundbucheintragung bestehen, „außer der Kunde hat andere Sicherheiten“. Doch auch die Grundbucheintragung kostet Geld.
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Tipp1

Laufzeit. Je länger die Restlaufzeit eines Kredites, desto lohnender könnte die Umschuldung sein. Ein neues Darlehen bei einer anderen Bank aufzunehmen ist jedoch mit Kosten verbunden, die erst wieder hereingespielt werden müssen. Nur wenn die Ersparnis am Ende des Tages größer ist, ist die Umschuldung sinnvoll.

Tipp2

Hausbank. Wer wegen eines neuen Kredits nicht gleich den Gang zu einer anderen Bank antreten will, sollte das Gespräch mit der Hausbank suchen. Diese lässt unter Umständen mit sich verhandeln. Eventuell kann man als Kunde Sicherheiten verstärken, um bessere Konditionen herauszuschlagen, vielleicht lässt die Bank gar neue Basisindikatoren zu.

Tipp3

Rechnen. Wer einen neuen Kredit abschließt, muss mit einigen Nebenkosten, wie Bearbeitungsgebühren, rechnen. Auch die Grundbucheintragung für einen Immobilienkredit kostet Geld. Kreditnehmer sollten sich von der Bank daher im Vorfeld alle Kosten aufschlüsseln lassen, damit es nicht zu bösen Überraschungen kommt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2012)