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Porträt eines zerrissenen Landes

(c) EPA (SERGEY DOLZHENKO)
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Kurz vor der Fußball-EM bietet Ö1 ab Sonntag einen Ukraine-Schwerpunkt. Ein Fixpunkt ist dabei das Radiokolleg: Christian Lerch und Tanja Malle gehen der Frage nach: „Ukraine – Wo endet Europa?“

Das Timing war, nun ja, suboptimal: Im Juni beginnt in der Ukraine die – gemeinsam mit Polen ausgerichtete – Fußball-EM. Und wenige Wochen zuvor kommen der Jubel-PR Bilder einer Oppositionsführerin in die Quere, der im Gefängnis offenbar die Behandlung eines Bandscheibenleidens verweigert worden war. Julia Timoschenko erhob sogar Misshandlungsvorwürfe. Plötzlich wurde es ein Thema, dass sich die Ukraine unter ihrem seit zwei Jahren amtierenden Präsidenten Viktor Janukowitsch immer weiter von rechtsstaatlichen Strukturen entfernt. In der EU wird seither über einen Boykott der Spiele in der Ukraine debattiert.

Janukowitsch gegen Timoschenko. Eine Paarung, die symptomatisch für die innere Zerrissenheit der Ukraine steht. Zerrissen zwischen einer Orientierung nach Westen, Richtung EU und nach Osten, Richtung Moskau. Timoschenko – obwohl selbst aus dem Osten stammend – steht dabei für das prowestliche, Janukowitsch für das Moskau-nahe Lager.

Dass dies freilich eine starke Vereinfachung ist und die Realität wesentlich komplexer, kann man ab Sonntag eine Woche lang auf Ö1 hören, in einem ambitionierten Ukraine-Schwerpunkt. Ein Fixpunkt ist dabei das Radiokolleg: Von Montag bis Donnerstag gehen Christian Lerch und Tanja Malle der Frage nach: „Ukraine – Wo endet Europa?“ Unter anderem geht es dabei um die Ukraine als ewigen Spielball äußerer Mächte, als „passives Objekt der Geschichte“, wie es die Schriftstellerin Oxana Sabuschko beschrieb. Einen spannenden Kontrast verspricht die Gegenüberstellung der zwei wichtigsten Städte des Landes, Kiew (Samstag 17.05 in „Diagonal“) und Lemberg (Montag 18.25 im „Journal-Panorama“).

Das Feature-Schlachtschiff auf Ö1, die „Hörbilder“ (Samstag 9.05), widmet sich dem „Holodomor“, der von Stalin vorsätzlich herbeigeführten Hungerkatastrophe. Es ist eines jener Themen, die seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 immer wieder herhalten mussten, um einen nationalen Mythos zu konstruieren. Ein Mythos, der in einem Trauma gründet.

Breiten Raum nimmt freilich die Kultur ein, von einem Porträt des Schriftstellers Juri Andruchowytsch (Sonntag 14.05) über die „Spielräume“ (Dienstag 17.30) bis zur „Jazz-Nacht“ am Sonntag kurz nach Mitternacht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2012)