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Afrikanische Erziehung in Wien: "Kinder gehören allen"

Afrikanische Erziehung Wien Kinder
(c) Rosa Schmidt-Vierthaler
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Die Eltern der kleinen Laurene sind daran gewöhnt, dass die Gesellschaft Kinder bewusst miterzieht. In Österreich gilt dieses Konzept nicht viel. Eine DiePresse.com-Serie zur Erziehung von Migranten.

Serge Taffou und Diane Agbogbe leben schon viele Jahre in Österreich, an das Benehmen vieler Kindern und Jugendlicher haben sie sich trotzdem noch nicht gewöhnt. "Wir sind immer schockiert, wie Kinder mit Älteren reden", sagt Diane. Die Kinder seien oft unverschämt, dabei sollten sie Erwachsene respektieren und auf sie hören. In Österreich komme es vor, dass sich ein Kind auf der Straße direkt neben ihm eine Zigarette anzünde, erzählt Serge. In Afrika würde sich das kein Kind trauen, denn die Erwachsenen würden sofort eingreifen. "Wenn afrikanische Kinder Erwachsene treffen, müssen sie auf sie hören - und auch bei Fremden wirklich höflich sein" sagt Diane. Dafür würden die Erwachsenen auch Verantwortung für die Kinder übernehmen.

Ein afrikanisches Sprichwort besagt, dass "die Kinder allen gehören", die Gemeinschaft kümmert sich um sie. Das kann auch Fremde implizieren, denn "eine einzelne Person kann kein Kind aufziehen", wie ein anderes Sprichwort lautet, dafür brauche es ein ganzes Dorf. In den Städten, wo das Netz an verwandtschaftlichen Beziehungen fehlt, nehmen tendenziell Nachbarn den Platz von Onkeln und Tanten ein. Die Kinder müssen auf sie hören, im Gegenzug sind sie alle mitverantwortlich für deren Wohl. In Österreich gibt es diese Tendenz kaum: Verantwortlich für die Erziehung sind die Eltern. Einmischung in die Erziehung wird meist sehr negativ gesehen - denn die Vorstellungen liegen oft auch recht weit auseinander.

Tipps: Erwachsene reagieren ungehalten

In Österreich entscheiden die Eltern, was ihre Kinder dürfen und was nicht. Wenn ungefragt Ratschläge, Tipps oder Kritik von außen kommen, reagieren viele Erwachsene deshalb auch recht ruppig. Das wiederum zeigt den Kindern: Andere haben mir nichts zu sagen. Was vor allem in den Städten zu einem gegenseitigen Ignorieren führt, das so weit geht, dass auch Kinder übersehen werden, die Hilfe brauchen oder sich in Gefahr bringen. Verantwortlich sind ja schließlich die Eltern.

Diane und Serge wollen ihrer fünfjährigen Tochter Laurene einige Werte aus der afrikanischen Erziehung mitgeben. Laurene ist eine Wienerin, sagen sie, trotzdem wollen sie in Bereichen "unsere Kultur bewahren". Laurene müsse sich Älteren gegenüber respektvoll verhalten und solle sich nicht ständig mit anderen vergleichen. Ihre Mutter weist sie zurecht, wenn sie das Gespräch mit DiePresse.com unterbricht. Die Hierarchie ist klar: Wenn Erwachsene reden, sollen Kinder sich zurückhalten.

"Eltern in Europa sind zu locker"

In Mitteleuropa stehen dagegen Kinder und Erwachsene in den Erziehungskonzepten oft auf einer Ebene, sie sollen auf Augenhöhe sein. "Wir denken, dass die Eltern in Europa zu locker sind, die Kinder dürfen fast alles." Das Paar hält nichts davon, Kinder zu schlagen, aber es müsse Grenzen für sie geben.

Diese Grundhaltung teilen Laurenes Eltern, auch wenn sie aus unterschiedlichen afrikanischen Ländern kommen: Vater Serge aus dem Kamerun, Mutter Diane aus Togo. Obwohl die Mutter an der Uni Wien Publizistik fertig studierte und der Vater eine Ausbildung am Film-Institut SAE machte, konnten sie beruflich in ihren Bereichen nur schlecht Fuß fassen. Die Wohnung ist sehr klein, die Familie teilt sich zu dritt ein Schlafzimmer. Diane als Akademikerin macht nun eine einjährige Ausbildung als Pflegerin und will sich dann weiterbilden, um Krankenschwester zu werden.

Vom derzeitigen Berufswunsch ihrer Tochter sind die Eltern nicht sehr begeistert: Die kleine Laurene will Polizistin werden. Diane und Serge wünschen sich dagegen ein Studium für sie und hoffen, dass sie es für sie weniger schwierig sein wird, einen guten Job zu finden.