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Kurt Scheuch: "Die Kennedys waren auch Brüder"

(c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)
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Neo-FPK-Chef Kurt Scheuch im Interview mit der "Presse" über den Ämtertausch mit Bruder Uwe, die Chance auf eine Entschuldigung in der "Kröten"-Affäre, Landtagswahlen und Rot-Blau im Bund.

Die Presse: Was wird bei der FPK unter Kurt Scheuch anders als unter Uwe Scheuch?

Kurt Scheuch: Mir geht es jetzt darum, dass ich den erfolgreichen Weg meines Bruders fortsetze.

 

Aber war der wirklich so erfolgreich, wenn man sich die FPK etwa nach den Anschuldigungen gegen Uwe Scheuch durch den Steuerberater Birnbacher ansieht – Stichwort: illegale Parteienfinanzierung? Die Justiz ermittelt.

Ich sehe hier eine brutale Hexenjagd. Es gibt da auch noch die andere Affäre („Part of the game“ über ein angebliches Staatsbürgerschaftsangebot durch Uwe Scheuch, Anm.). Die Vorgänge in diesem Fall sind ungeheuerlich.

 

Es gibt aber bereits ein erstinstanzliches Urteil. Wenn es hält: Sollte Uwe Scheuch die FPK verlassen? Würden Sie Ihren Bruder ausschließen?

Dann müsste er sie nicht verlassen. Ich werde ihn ersuchen, dass er lebenslang bleibt. Ich weiß auch zu hundert Prozent, dass er mit der Birnbacher-Sache nichts am Hut hat. Und die andere Geschichte („Part of the game“, Anm.) ist schon dreimal unterschiedlich beurteilt worden. Wir werden sehen.

 

Sind die Voraussetzungen für die FPK nach dem Rücktritt Uwe Scheuchs bei baldigen Neuwahlen wirklich besser, solange der ebenfalls beschuldigte Landesrat Dobernig im Amt bleibt?

Er hat mir in langen Gesprächen versichert, dass er mit der Birnbacher-Sache nichts am Hut hat, und ich glaube ihm zu hundert Prozent.

 

Aber ist eine Wahl für die FPK erfolgreich zu schlagen, wenn das Personal so ist, wie es jetzt ist?

Sie haben unseren Lead vergessen.

 

Keineswegs. Muss es jetzt Gerhard Dörfler richten – oder wie?

Wir waren das vom Jörg (Haider, Anm.) irgendwie gewöhnt, dass er meistens alles richtet. Ich möchte nicht vergleichen. Aber was Dörfler hat: Er ist ein Landespapa.

 

Manche sagen: Er ist Landeshauptmann unter den Scheuch-Brüdern.

Das ist eine bösartige Geschichte, die die Kärntner nicht glauben.

Ist ein Landeshauptmannstellvertreter Kurt Scheuch tragbar, dem ein Verfahren droht, weil er einen Richter „Kröte“ genannt hat? Werden Sie sich bei dem Richter entschuldigen, um die Sache vom Tisch zu bekommen?

Ich möchte zuerst ein Gefühl dafür bekommen, zu welchem Urteil man kommt. Ich gehe davon aus, dass ich freigesprochen werde. Und ich denke, dass ich den „Kröten“-Sager – sollte ich ihn getätigt haben – werde aushalten können.

Sollten Sie doch nicht freigesprochen werden: Würden Sie zurücktreten?

Schau'n wir mal.

Warum sind Sie nun doch für vorgezogene Landtagswahlen zu haben, etwa im Frühjahr 2013?

Bis dahin werden sich die Nebel gelichtet haben, auch im Verfahren meines Bruders. Davor haben wir noch einiges vor in Kärnten – wie die Klage gegen den ESM-Schirm.

Ist die Regierung überhaupt noch funktionsfähig? Gegen mehrere Landesräte wird ermittelt.

Ja, das ist sie. Und würden wir in wenigen Wochen wählen, sähe das Ergebnis nicht viel anders aus als die jetzige Regierung. Da darf man auch den schwachen politischen Mitbewerb nicht vergessen. Die FPK will als Erste durchs Ziel kommen, und das können wir schaffen.

Wie sehen Sie die Kooperation mit der FPÖ im Bund? Sind Sie sich des Rückhalts durch Obmann Strache nach den Vorfällen in Kärnten noch sicher? Die FPK ist ja jetzt auch eine Belastung in den Umfragen für die FPÖ.

Das glaube ich in keinem Fall. Ich möchte mich nicht abwenden und habe auch kein einziges Signal, dass es zu einer Irritation kommt.

 

Schwarz-Blau im Bund soll nach den Turbulenzen unwahrscheinlicher sein, ist in Wien zu hören. Wie stehen Sie dazu? Wäre das Ihr Favorit?

Das ist nicht mein Favorit.

 

Sondern?

Sollte Faymann stark verlieren, wird es den Herrn Faymann nicht mehr geben. Und jetzt sage ich Ihnen ein Gegenbeispiel: Der Herr Dörfler rühmt sich immer, ein guter Freund des Herrn Ostermayer (SPÖ-Staatssekretär, Anm.) zu sein.

 

Sie sprechen Rot-Blau an.

Warum denn nicht?

 

Von „russischen“ bis zu „kubanischen“ Verhältnissen: Ihr Ämterwechsel unter Brüdern wurde heftig kritisiert. Was sagen Sie Ihren Kritikern?

Ich werde ihnen beweisen, dass ich letztendlich ein guter Mann bin.

 

Und das ist ein lässliches Modell – dass auch unter Brüdern getauscht wird?

Ich denke, dass es weltweit viele Beispiele dafür gibt. Die Kennedys waren auch Brüder.

Zur Person

Kurt Scheuch, 44, ist seit Mittwoch in Nachfolge seines jüngeren Bruders Uwe Obmann der Kärntner Freiheitlichen FPK sowie neuer Vizelandeshauptmann unter Gerhard Dörfler. Davor war Kurt Scheuch Klubobmann der FPK, der stärksten Fraktion im Kärntner Landtag. Ebenfalls seit Mittwoch ist bekannt, dass es ein Gerichtsverfahren gegen ihn geben soll – wegen Beleidigung („Kröte“) eines Richters, der seinen Bruder Uwe in der „Part of the game“-Affäre verurteilt hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)