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Nur gut gemeint: Mischlingstests und Problembezirke

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Szenenbild aus ''Cop Stories'': Claudia Kottal (Chefinspektorin Leila Mikulov), Serge Falck (Chefinspektor Lukas Mosbacher) mit einem ''Verdächtigen''(c) ORF (Petro Domenigg)
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Die ORF-"Cop Stories" liefern Migrantenklischees in Serie. Das Magazin "Biber" lädt zum Mischlingstest. Ist das frech oder rassistisch?

Kunst ist das Gegenteil von gut gemeint. Der dichtende Mediziner Gottfried Benn soll das gesagt haben. Abgewandelt hat das Zitat später der Journalist Kurt Tucholsky – bei ihm hieß es: „Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint.“ Vielleicht kam ihm dieser Satz beim Nachdenken über seine Zunft in den Sinn. Denn gerade Medien scheitern mitunter am Versuch, etwas politisch korrekt darzustellen.

Immer wieder und immer noch ist das beim Thema Ausländer und Migranten zu sehen. Gerade schrieb die „Tiroler Tageszeitung“: „Nordafrikaner haben in Innsbruck eigentlich nur zwei Alternativen: dealen oder Gefängnis.“ Am Beispiel eines marokkanischen Asylbewerbers, der mit Erfolg ein Lokal führt, sollte erzählt werden, dass Integration funktionieren kann. Mit der Pauschalierung aller Asylwerber als Drogenkriminelle hat der Journalist sein gut gemeintes Ansinnen bereits im Untertitel verspielt.

Ähnliches passiert dem ORF in seiner neuen Hauptabendserie „Cop Stories“. Der Alltag im „Problembezirk“ Ottakring soll am Beispiel einer Polizeiwachstube erzählt werden. Dabei werden seit der ersten Folge Migranten entweder als Opfer von rassistischer Gewalt oder als Kleinkriminelle präsentiert. Der offen rassistische Kriminalkommissar muss zwar zur „Antirassismus-Therapeutin“, sein türkischer Kollege kämpft aber, Achtung Klischee!, gegen die Türkenmafia im Bezirk, bei der seine eigene Familie die Finger im Spiel hat. Da hilft es auch nicht, dass manche Dialoge überraschenden Witz entwickeln – wenn der junge Migrant dem rabiaten Weaner Bazi zuruft: „Du kannst uns nicht provozieren, stirbst eh bald aus.“

Nicht gut, sondern frech wie immer wollte das Stadtmagazin „Biber“ in seiner Aprilausgabe sein und lud zu einem „Mischlingstest“: Anhand von Fotos junger Menschen kann man die Ethnie von deren Eltern erraten. Erlauben kann sich das nur das Migrantenmagazin, das auch Begriffe wie „Tschusch“ oder „Chefica“ satirisch benutzt. Diesmal wollte der Witz nicht recht aufgehen. Zu negativ konnotiert ist der Begriff „Mischling“, seitdem die Nationalsozialisten ihn für ihre Rassenterminologie missbrauchten.

Wohl kann man „Biber“ nicht Rassismus unterstellen – doch es zeigt, wie fehlende sprachliche Sensibilität zu Irritationen führen kann. Dabei hat das Heft mit dem Mischlingstest, der ohne aufklärerischen Erklärtext auskommen musste, unterschwellig eine gute Botschaft vermittelt: Die indische, italienische oder ägyptische Herkunft ist den „Mischlingen“ nicht anzusehen und eigentlich ist völlig egal, wer woher kommt. Der treffendste Kommentar zur im Netz emotional geführten Debatte kam von einer jungen Frau auf Facebook. Sie wisse nicht, was die Debatte soll: „Ich sehe nur ein paar schöne Menschen.“

 

anna-maria.wallner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2013)